Tagged with Plattenkritik

Plattenkritik /// The Hundred In The Hands „Red Night“

Plattenkritik /// The Hundred In The Hands „Red Night“

„Red Night“ ist wie ein früher Film von Roman Polanski: eine Kunst gewordene Metapher über existenzielle Ängste. Es beginnt beim Cover: zerknülltes rotes Papier auf schwarzem Hintergrund. Darüber: blasse serifenlose Typografie. Die Hülle bleibt kalt und assoziationslos. Merkwürdig: Sind The Hundred In The Hands nicht dieses knuffige Electropop-Duo, das die Nische zwischen Bodi Bill und … Weiterlesen

Plattenkritik /// Casiokids „Aabenbaringen Over Aaskammen“

Casiokids züchten wunderliche Synthie-Pop-Pflänzchen mit noch wunderlicheren Texten auf Norwegisch. Das norwegische Kaff Bergen muss man sich wie all die verschlafenen Kleinstädte in Stephen-King-Romanen vorstellen: Es leidet an völliger Belanglosigkeit. Wenn da nur nicht die genialen Einwohner wären, die reihenweise Landflucht antreten und die große Karriere in der Diaspora suchen. Kings Of Convenience, Kakkmaddafakka und … Weiterlesen

Plattenkritiken /// Radio Burroughs „Filler Words. Gesture“

Girl-fronted-Bands sind leider noch immer die Ausnahme. Da hilft auch keine Idealisierung der Riot-Grrrl-Bewegung… Sogar im Indie-Hardcore-Punk-Bereich – also in einer Subkultur, deren Anhänger normalerweise durch Diskursfähigkeit überzeugen – tummeln sich Frauen mehr vor als auf der Bühne. Was war noch mal Gender? Janette Bielau, Vocals bei Radio Burroughs, kennt die Antwort, doch nicht den … Weiterlesen

Plattenkritik /// Caged Animals „Eat Their Own“

Lullabies über Tod, Trauer und Optimismus. Eine großartige EP hätte es werden können, auf LP-Länge wirkt das Ergebnis aber leider nur okay. Wer zur Hölle ist eigentlich Vincent Cacchione? Muss ich den kennen? Der aus Brooklyn stammende Songwriter mit Festanstellung bei Soft Black – Depri-Folk, nix für sonnige Gemüter – suhlt sich gerne in niederen … Weiterlesen

Plattenkritik /// Jeffrey Lewis „A Turn In The Dream-Songs“

Songs wie Comicstrips: bildhaft, szenisch, pointiert. So fahrig und süß ist New York eben auch noch – und das zehn Jahre nach Adam Greens Moldy Peaches. Wer sich dieses Album via iTunes besorgt, hat’s einfach nicht gerafft: Die Platte ist ein crossmediales Gesamtkunstwerk – irgendwie CD, irgendwie Comic und irgendwie beides zugleich. Hier geht’s um … Weiterlesen

Plattenkritik /// Laura Veirs „Tumble Bee“

Was wir hier vorfinden, sind dreizehn Songs, die so tun, als seien sie Kinderlieder. Wo bleibt da der Sandkasten? Das Ungestüme? Das Zuckowski-Lalala? Folksternchen Laura Veirs ist Mutter geworden und nimmt die musikalische Sozialisation ihres Sohnemanns gleich selbst in die Hand. Zu hören bekommt ihr Junge nur das Beste: Peggy Seeger, Harry Belafonte und Woody … Weiterlesen

Plattenkritik /// The Miserable Rich „Miss You In The Days“

/// Miss You In The Days liefert zehn, opulent orchestrierte Spukgeschichten, bei denen die Gänsehaut schon vorprogrammiert ist. So als würde man zu einem Schlagzeugbeat an einer Tafel kratzen. Spukhäuser sind gern gesehene Motive in Gruselgeschichten und Horrorfilmen. Nicht selten tragen die meist maroden und verwinkelten Anwesen eine schreckliche Vergangenheit, die die Hausverwalter lieber verschweigen. … Weiterlesen

Plattenkritik /// Jim White presents „Sounds Of The Americans“

/// Sound Of The Americans ist der Versuch, US-amerikanische Folk-Texturen anhand von Songskizzen zu kartografieren. Jim White ist Songwriter (Alt.Country, Americana) und labt sich gerne an Panels und Comedy-Impro. Warum auch nicht, wenn das Publikum lieber Bock auf Diskutieren hat: Bitte! Die Theoriefraktion darf diese Praxis „performativ“ nennen. Sein neues Projekt Sounds Of The Americans … Weiterlesen

Ja!Nuss! hört: Killed By 9V Batteries „The Crux“

Neue Platte, neuer Produzent, neuer Sound. Die Grazer Killed by 9V Batteries gehen in die Vollen und liefern grandios ab. Die Grazer Killed By 9V Batteries wildern ja gerne mal in den 1990ern. Also in einer Dekade als sämtliche Spielarten der US-amerikanischen Indie-, Noise-, und Post-Rock bzw. des Hardcores florierten. Mit bestem Beispiel voran, gingen … Weiterlesen

Im Ohr /// Black Lips „Family Tree“

Bevor es jetzt gleich das aktuelle Black Lips-Video zu „Family Tree“ aufs Ohr gibt, eine kurze Frage: Is da eigentlich noch irgendjemand, der die vier Anarcho-Spacken von Black Lips noch nicht kennt? Falls ja, dann gönnt euch die Kurzbio in 140 Zeichen: Buddies: Mark Ronson, die VICE, Stil: Flower Punk, Besondere Merkmale: Kotzen und Pissen … Weiterlesen

Plattenkritik /// Twin Sister „In Heaven“

Chillwave wird zu Killwave. Ein Traum von Zuckerwatte und Kannibalismus. So sehr die Termini Chillwave und Dream-Pop von musikjournalistischem Übereifer überladen sind, so passabel sind sie, wenn man seiner besten Freundin den Sound von Twin Sisters erklären will. Twin Sisters, musst du dir vorstellen, klingen ein wenig wie Toro Y Moi oder Beach House, nur … Weiterlesen

Plattenkritik /// The Dead Trees „Whatwave“

The Dead Trees haben den Klingelbeutel rumgehen lassen. Mit der Kollekte im Kofferraum gings erstmal Richtung Hollywood. Nicht um Urlaub zu machen, sondern um zu malochen. Wie viel Kohle braucht man für ein gutes Indierock-Album? [hier Jeopardy-Melodie einfügen] Lasst den Taschenrechner stecken: die Antwort lautet 17.000 Dollar. So viel Schotter mussten The Dead Trees für … Weiterlesen

Plattenkritik /// Beirut – The Rip Tide

Sechs Jahre im Musikbiz und noch keinen Deut schlechter. Zach Condon (alias Beirut) ist wie immer Global a go-go. The Rip Tide ist seine neue Spielfläche. Seit nunmehr fünf Jahren tourt Zach Condon – besser bekannt als Beirut – nun schon mit Entourage (wechselnde Musiker) und Equipage (barocke Instrumentierung) durch die Weltgeschichte. Dabei bezirzt er … Weiterlesen

Plattenkritik /// White Hills „h-p 1“

„h-p 1“ ist die Intonation der schlechten Laune. Ein sperriger Bastard aus noisigen Gitarrenspuren und spacigen Synthies. Marx wäre erfreut, könnte er sich den Beipackzettel zur neuen White-Hills-LP durchlesen: „We have been sold the religion of consumerism to feed the corporate machine“, steht da neben anderen griffigen Phrasen, mit denen man allzu gerne neoliberale Praktiken … Weiterlesen