Plattenkritik /// The Hundred In The Hands „Red Night“


„Red Night“ ist wie ein früher Film von Roman Polanski: eine Kunst gewordene Metapher über existenzielle Ängste.

Es beginnt beim Cover: zerknülltes rotes Papier auf schwarzem Hintergrund. Darüber: blasse serifenlose Typografie. Die Hülle bleibt kalt und assoziationslos. Merkwürdig: Sind The Hundred In The Hands nicht dieses knuffige Electropop-Duo, das die Nische zwischen Bodi Bill und New Young Pony Club perfekt ausgefüllt hat? Anscheinend nicht. Oder besser gesagt: nicht mehr, denn seit dem 2010er-Debüt auf Warp Records ist der Sound von Eleanore Everdell und Jason Friedman um ein paar düstere Nuancen gewachsen.

THITH haben sich vom Four-to-the-floor-Projekt – mit mindestens drei Singles auf einer LP – verabschiedet, von nun an machen sie in IDM und produzieren Musik gewordene Metaphern über existenzielle Ängste. Oder, um mit Everdell und Friedman zu sprechen: „Das Schmutzige und Reibende der Soundtexturen ist wie der Scheiß, mit dem man jeden Tag konfrontiert wird. Wir versuchen diesen Müll aufzunehmen und ihn in etwas Schöneres zu verwandeln, etwas, das diesen elenden Zustand transzendiert.“ Bin mal gespannt, ob ihre Fans mit diesem Abstraktionsdrang überhaupt was anfangen können.


The Hundred In The Hands
Red Night
WARP / Rough Trade

Erstveröffentlichung der Rezension in INTRO #204

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s