Wie wird man eigentlich Comiczeichner? – Interview mit Flix (Felix Görmann)

Bild: http://www.der-flix.de

Im Jahr 2002 hat Flix (alias Felix Görmann) einen Comic als Diplomarbeit eingereicht. Seitdem ist er Comiczeichner unterwegs und gewinnt mit seinen grafischen Geschichten nicht nur Fans, sondern auch Preise. Grund genug für uns die Frage zu stellen: Flix, wie wird man eigentlich Comiczeichner?

Flix, bitte erzähl uns was zu deiner Biografie. Wann hast du angefangen Comics zu zeichnen?
Flix (Felix Görmann): Wahrscheinlich war’s bei mir, wie bei den meisten Menschen. Ich hab als Kind irgendwann einen Schwung Buntstifte bekommen und angefangen, damit rumzukritzeln. Anders als die meisten Menschen habe ich bis heute nicht damit aufgehört.

Wie merkt man, dass man Talent hat?
Wenn Leute auf eine Zeichnung, die man gemacht hat, reagieren. Wenn die Striche auf dem Papier sie zum Lachen bringen oder sie seufzen lässt und sie nicht abwarten können, bis die nächste Zeichnung gemacht ist.

Du hast in Saarbrücken Kommunikationsdesign studiert. Wie läuft so ein Studium ab?
Das Studium dort war relativ praxisorientiert. Ich habe wahnsinnig viel ausprobieren können. Dort habe ich mich mit Malerei, Siebdruck, digitaler Gestaltung, Holzarbeit, Fotografie, kulinarischer Kunst und so weiter beschäftigt. Alles war sehr frei. Auf theoretische Wissensvermittlung hat man zu der Zeit weniger Wert gelegt. Das Studium war ideal für Leute, die neugierig waren und in etwa wussten, wohin sie wollten.

Was hat dir das Studium für deinen späteren Lebensweg gebracht?
Sehr viel. Zum einen durch das breite Angebot an praktischen Erfahrungen. So habe ich gelernt, dass du vor nichts Angst haben muss, weil du dir so gut wie alles „draufschaffen“ kann. Das ist schon super. Zum Zweiten hilft dir Wissen um Perspektive, Typografie und zweidimensionale Gestaltung sehr, wenn du Comics machen willst. Und zum Dritten war es gut, dass niemand an der Hochschule Ahnung von Comics hatte. Die meisten Professoren standen dem Medium sogar sehr skeptisch gegenüber. Wenn du dich trotz schwieriger Umstände durchsetzt und auch noch dieses Publikum von der Qualität der eigenen Arbeit überzeugen kannst, dann bist du gut auf den Arbeitsalltag als Comiczeichner vorbereitet.

Muss man Kommunikationsdesign studieren, um später Comiczeichner zu werden?
Zwar haben einige Comiczeichner Kommunikationsdesign studiert, wie zum Beispiel Mawil, aber eigentlich kann man alles Mögliche studieren. Mir hat das Studium geholfen. Es gibt sogar Kollegen wie Joscha Sauer (www.nichtlustig.de) oder Ralph Ruthe (www.ruthe.de), die überhaupt nicht studiert haben. Wichtiger als ein Studium ist unbedingte Leidenschaft zum Medium. Und, dass man sich die Zeit und den Raum gibt, diese Leidenschaft auszubauen.

Deine Diplomarbeit war der ‘autobiografische’ Comic held. War es schwierig für dich einen Dozenten zu finden, der dein Projekt betreut?
Ja. Und die ersten drei Monate der Diplomphase habe ich tagsüber an meinem Comic held gezeichnet und parallel dazu in vielen Nachtschichten Alternativideen ausgearbeitet, die ich meinem Professor zunächst präsentiert habe. Die ich aber alle dann nach und nach verworfen habe um dann irgendwann in logischer Konsequenz meinen Comic „held“ aus dem Hut zu zaubern…

Wie bist du Dozent geworden? Unterrichtest du noch?
Direkt im Anschluss an mein Studium habe ich den Grundlagenkurs „Zeichnen 1“ an meiner Hochschule in Saarbrücken übernommen. Der entsprechende Professor ist damals ein paar Tage vor dem Semesterbeginn erkrankt. Die suchten jemanden, der kurzfristig einspringen könne. Und dann fiel einem Dozenten ein, dass ich ja eine gezeichnete Diplomarbeit abgegeben hatte. Weil der Kurs so gut lief, hab ich das für drei Semester gemacht. Seit meinem Umzug nach Berlin gezogen gebe ich ab und an Bild-Text-Workshops für alle, die Worte zu ihren Bildern bzw. Bilder zu ihren Worten suchen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Gegen neun Uhr starte ich den Rechner, erledige die Korrespondenz und lade eventuell was Neues auf meine Webseite. Dann beginne ich mit der Zeichenarbeit. Je nachdem, was zu tun ist, skizziere ich eine neue Geschichte, tusche eine Comicseite, lettere ein paar Sprechblasen, scanne ich einen Strip oder koloriere eine Zeichnung am Rechner. Mittags gibt’s eine kurze Pause. Dann geht es weiter bis in die frühen Abendstunden. Fast wie ein richtiger Beruf.

Welche Tipps kannst du jungen Leuten geben, die gerne Zeichnen und später in eine ähnliche Richtung gehen wollen?
Gute Stifte kaufen. Analog zeichnen lernen. Den eigenen Ideen vertrauen. Sitzfleisch beweisen.

Coole Sache! Wo bekomme ich Comics von Flix?

Flix Comics findest du in jedem guten Buch- bzw. Comicladen. Wer Glück hat, kann am 12. Mai ein 32-seitiges Snippet von Flix Don Quijote beim Gratis Comic Tag für lau erwerben.

 Was ist der Gratis-Comic-Tag?

Am Gratis-Comic-Tag gibt es Gratis-Comics. Viele Comicverlage und Comichändler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben gemeinsam eigens für diesen Tag dreißig Hefte produziert, die die Fans sich kostenlos in den Läden mitnehmen können. Eine Übersicht über die teilnehmenden Händler gibt es hier.

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