Rezension /// Joshua & Jonathan Luna “Das Schwert, Band 1: Feuer”

Seit einem Unfall ist Dara Brighton an einen Rollstuhl gefesselt. Sie lebt mit ihrer körperliche Behinderung so gut es eben geht. Doch Dara ist ehrgeizig. Ihr Studium läuft blendend. Bei den Kommilitonnen ist sie beliebt. Bis eines Tages drei Fremde an die Tür ihres Elternhauses klopfen. Sie verlangen die Herausgabe eines Schwerts. Daras Vater stellt sich dumm. Ein Fehler, den er mit seinem Leben bezahlen wird. Die Fremden töten auch Daras Mutter und ihre Schwester mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten. Danach zünden sie das Haus an. Dara bleibt in den brennenden Trümmern zurück und bricht durch den Holzboden. Unter dem Haus findet sie das, wonach die Mörder ihrer Familie gesucht haben: das Schwert – ein magisches Artefakt, dass ihr das Leben retten wird. Noch weiß sie nicht, dass sie mit diesem Schwert Blut vergießen wird. Viel Blut. Aus Rache. Für die Familie.

Schon im ersten Teil der vierbändigen Graphic Novel werden Protagonistin und Leser in den Bann des Schwerts gezogen, dessen Geschichte geheimnisvoller nicht sein kann. Wer sind die Fremden? Was haben die anzugtragenden Schurken mit Daras Vater zu tun? Warum kann Dara nachdem sie das Schwert berührt hat wieder laufen? Seite um Seite lüftet sich die Geheimnisse. In das Schwert spinnen die Luna Brothers eine vielschichtige Story, die mit mythologischer Spachtelmasse gefüllt wird.

Natürlich ließe sich an dieser Stelle eine Menge über Zeichenstil und Panelarbeit der Luna Brothers sagen. Ich spare mir das mal, weil es einen Aspekt im Werk von Joshua und Jonathan gibt, den ich viel bedeutender finde: die weibliche Heldenfigur. Weibliche Superhelden sind zumeist sehr stereotyp und auf den männlichen Leser zugeschnitten: Knappes Outfit, dünne Beine, Atombusen, lange Haare. Fertig ist die Wichsvorlage bzw. das Pinup aus den 1950ern. Eine realistische Physis findet sich selten bei weiblichen Superhelden. Dara ist da anders. Ihre Physis ist am Anfang sogar angeschlagen. Durch ihre körperliche Behinderung, ihre Intelligenz und ihrer unscheinbaren Erscheinung wirkt sie nicht wie die typische Superheldin. Im Gegenteil: Erst durch das mystische Schwert erhält sie ihre Superkräfte.

Dara ist – obgleich sie durch das Schwert fast unverwundbar ist – jederzeit angreifbar, weil sie ihren Superheldinnenstatus nur durch den ständigen Kontakt zum Artefakt halten kann. Das Schwert ist also Segen und Fluch zugleich. Um mit Superman zu sprechen: Sie trägt ihr Kryptonit ständig bei sich. Und wer mit diesem ganzen Meta-Comic-Gedöns nichts anfangen kann, der darf sich auf eine sehr blutige Rachegeschichte mit einem hohen Bodycount freuen.

Luna Brothers
Das Schwert 1: Feuer
16×24 cm, Hardcover, vierfarbig,
160 Seiten, Preis: 22 €
ISBN 978-3-942649-44-5

Das Schwert bei Cross Cult

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