Bloggespräch /// „Niederländer sind ein schadenfrohes Völkchen“ – Interview mit Steffen Haars (New Kids)

New Kids ist derbste Proletencomedy aus den Niederlanden. Die erste Staffel ihrer Comedyserie produzierten Steffen Haars und Flip van der Kuil noch selbst. Die Produktionsfirmen interessierten sich damals nicht die Bohne für sie. Mit ihrem zweiten Kinofilm New Kids Nitro sorgten sie im Januar 2012 abermals für volle Kinosäle und machen Maaskantje zum Nabel der Comedy-Welt.

Steffen, was muss man tun, um der erfolgreichste Comedy-Act der Niederlande zu werden?
Steffen Haars: Als New Kids sind wir jetzt schon seit sieben Jahren unterwegs und anfangs hatten wir damit absolut keinen Erfolg. Aus Langeweile haben wir uns am Wochenende getroffen und seltsame Sachen angestellt. Die Produktionsfirmen interessierten sich damals nicht die Bohne für uns. Also haben wir kurzerhand die ersten Episoden von New Kids selbst produziert und dann online gestellt. Zu unserer Verzückung mochten die Leute unsere Sketche. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklären. Die Serie (New Kids) hat einen sehr fiesen Humor. Vielleicht haben wir einen Nerv getroffen.

Euer erster Kinofilm New Kids Turbo war der erfolgreichste niederländische Film seit Jahren. Glaubst du, dass New Kids Nitro das toppen kann?
Wir haben nicht damit gerechnet, dass New Kids Turbo überhaupt ein Erfolg wird. Wir sind da eher bescheiden. Aber stolz sind wir auf jeden Fall, dass der Film so gut gelaufen ist. Wir würden uns freuen, wenn die Kinosäle wieder so voll wie beim ersten Teil wären.

Warum synchronisiert ihr euch selbst?
Wir dachten nie, dass New Kids so groß werden würde. Irgendwann kam Comedy Central auf uns zu. Sie würden die Serie gerne in Deutschland ausstrahlen. Da in Deutschland fast alles synchronisiert wird, überlegten wir wie wir das am besten umsetzen könnten. Irgendwann kamen wir schließlich auf die Idee das selbst zu übernehmen. Wir orientierten uns einfach an der Gossensprache, die auf deutschen Straßen gesprochen wird. Am Anfang fand das Comedy Central gar nicht witzig. Sie wollten eine ‚ordentliche‘ Synchro. Dann haben wir denen gesagt, dass wir es so machen oder gar nicht. Das Resultat seht ihr jetzt im Fernsehen. Ich bin seit jeher der festen Überzeugung, dass die Synchro außerdem ein Grund für den Erfolg der Serie in Deutschland ist.

Apropos Charaktere: Kennst du ein paar Leute aus Maaskantje, die wirklich so aussehen wie die New Kids?
In den 1990ern hast du ähnlich gekleidete Typen an jeder Ecke in Maaskantje gesehen. Am liebsten hingen sie im Cafe ‚t Pleintje rum, das ist die Pommesbude, die auch in unserer Serie zu sehen ist. Ebenso haben sich Musik – Happy Hardcore – und Kleidungsstil dieser Zeit in mein Gehirn eingebrannt. Wir orientieren uns stark an dieser Szene. Es scheint, als sind diese Leute in der Zeit gefangen. Vom Kopf her sind die noch in den 90ern. Anfangs dachte ich, dass diese Subkultur nur im provinziellen Teil der Niederlande anzutreffen ist, aber dann sah ich sie auch in größeren Städten und anderen Ländern.

Du kommst ja ursprünglich aus Maaskantje. Kannst du dich da überhaupt noch sehen lassen nach all der schlechten PR, die die New Kids der Stadt beschert haben?
Es ist eine Hassliebe. Die meisten Leute aus Maaskantje mögen die Serie, egal ob die Stadt schlecht dabei wegkommt. Jedes Mal, wenn wir dort drehen, wird ein Fest veranstaltet. Die Leute besuchen uns am Set. Es gibt aber auch andere, die nicht über uns lachen können. Aber das ist auch verständlich bei unserem kruden Humor. Grundsätzlich sind die Bewohner Maaskantjes aber stolz. Schließlich sind wir Kinder der Stadt und sorgen dafür, dass Maaskantje auch über die Grenzen der Niederlande hinweg bekannt wird.

Jedes Land hat eigene humoristische Stilblüten. Über was lachen eigentlich Niederländer?
Die Niederländer sind ein sehr schadenfrohes Völkchen. Sie lachen über Menschen, die vom Auto überfahren werden und über überzogene Charaktere. Ein Glück lachen sie über uns, sonst könnten wir keine Filme drehen. Flip und mir fehlte etwas in der niederländischen Comedy-Szene. Wir fanden unsere Nische und haben das Beste draus gemacht. Jetzt sind wir der bekannteste Comedy-Act der Niederlande.

Foto: Constantin Film

Erstveröffentlichung in UNICUM ABI #01-02 2012

4 thoughts on “Bloggespräch /// „Niederländer sind ein schadenfrohes Völkchen“ – Interview mit Steffen Haars (New Kids)

  1. Ich glaube auch, dass dieser typische Synchro-Sound extrem seltsam gewesen wäre bei New Kids. Aber ich bin kein großer Fan vom Fremdschämen, und deshalb ertrage ich die Serie nicht länger als zwei Minuten – genau wie sowas wie Eastbound & Down, das halte ich auch nur unter Schmerzen aus.

  2. O-Ton rules. Aus dem Interview weiß ich, dass die Jungs ordentlich dafür kämpfen mussten, dass sie die Charaktere selbst sprechen durften. Klar, bei der Proleten-Comedy ist fremdschämen angesagt, aber nicht nur. New Kids ist immer auch eine Parodie auf mittelmäßige amerikanische Comedy. Musst du mal drauf achten. Allein die vielen Autoszenen sind ein Beweis dafür.

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