Flimmerkiste /// Super 8 (J.J. Abrams)

Krawall, schnelle Schnitte und Computeranimationen bestimmen das heutige Kino. Dass es auch anders geht, beweist J.J. Abrams (Lost) mit seiner Steven Spielberg-Hommage Super 8. (c: paramount pictures)

Martin Przegendza

Da ist es wieder, dieses wohlige Gefühl. Super 8 läuft keine fünf Minuten und kommt einem doch so bekannt vor. Jeder, der Ende der 70er-, Anfang der 80er Jahre aufgewachsen ist oder zumindest die Filme dieser Zeit kennt, wird es auch fühlen. Bekannt und gleichzeitig neu und aufregend. Goonies, Unheimliche Begegnung der Dritten Art, E.T. – mit 30 Jahren Verspätung reiht sich Super 8 fast nahtlos in die Riege der großen Spielberg-Filme ein.

Anders als in den Krawall-Filmen des heutigen Kinos, den Transformers und zahllosen Comic-Verfilmungen, ist Super 8 eine ruhige Coming-of-Age-Geschichte, die den Menschen nie aus den Augen verliert. Im Mittelpunkt steht eine sechsköpfige Kindergruppe im amerikanischen Suburbia des Jahres 1979. Der 13-jährige Joe (Joel Courtney) hat gerade seine Mutter in einem Verkehrsunfall verloren. Zusammen mit seinem Vater, der Deputy des 12.000 Seelen Örtchens Lillian in Ohio ist, versucht er mit dem Schicksalsschlag fertig zu werden. Das Filmprojekt seines Freundes Charles (Riley Griffiths) kommt ihm da gerade recht. Zusammen mit seinen Freunden Cary (Ryan Lee), Preston (Zach Mills) und Martin (Gabriel Basso) wollen die Fünf einen Zombie-Film auf Charles‘ Super-8-Kamera drehen (der übrigens komplett während des Abspanns gezeigt wird). Dass die hübsche Alice (Elle Fanning), in die Joe heimlich verliebt ist, auch mitspielt, ist für ihn die berühmte Kirsche auf der Sahne.

Beim nächtlichen Dreh passiert dann unglaubliches: Ein auf den Gleisen stehen gebliebener Pick-up-Truck bringt einen Frachtzug spektakulär zum Entgleisen. Die Kinder entgehen dem Inferno nur knapp. Doch wie der Zufall es so will, hat Charles’ Kamera den ganzen Unfall aufgenommen. In den folgenden Tagen häufen sich dann mysteriöse Dinge: Alle Hunde des Örtchens verschwinden spurlos. Einzelne Bewohner Lillians sind wie vom Erdboden verschluckt. Das Militär rückt ein. Und dann verschwindet auch noch Alice …

Trailer: Super 8

J.J. Abrams Hommage an Steven Spielberg

Die Kinder machen sich auf die Suche nach ihr und versuchen das Mysterium um das Zugunglück aufzuklären. Nach und nach wird die Handlung mit klassischen Themen des längst vergessenen Sci-Fi-Jugendfilms angereichert. Auf das heutige Kinopublikum mag die Darstellung der schwierigen Beziehungen von Joe und Alice zu ihren Vätern klischeehaft wirken. Sie unterstreicht jedoch den Retro-Charme des Films und ist in Wahrheit eine tiefe Verbeugung vor dem Schaffen von Steven Spielberg (der Super 8 übrigens produziert hat). Retro heißt hier aber nicht nur, dass der Film in einer vergangenen Zeit spielt. Es heißt vor allem, dass der Stil und die Essenz eines Kinos längst vergangener Tage wiederbelebt werden.

Kindliche Hoffnungen und Ängste und die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens in der Kleinstadt waren schon immer der Kern des spielbergschen Familienkinos. Dass J.J. Abrams, der sich mit der Mystery-TV-Serie Lost und den Blockbustern Mission: Impossible 3 und Star Trek einen Namen gemacht, diesen Geist auf die Leinwand bringt, liegt vor allem an dem tollen Kindercast. Elle Fanning hat schon in Sophia Coppolas Somewhere gezeigt, dass sie mit einem ausgesprochenen Talent gesegnet ist. Aber auch Joel Courtney in seinem ersten Kinofilm begeistert mit seiner Natürlichkeit.

Gerade dieser Cast ist es aber auch, der für viele Zuschauer zum Stolperstein werden könnte. Filme aus der Perspektive von Kindern sind heutzutage nahezu ausschließlich Kinderfilme. Im Gegensatz zu Stand By Me oder E.T. dominieren Twentysomethings wie Shia LeBeouf (Transformers) und adrette Mittvierziger à la Daniel Craig das Mainstreamkino. Zudem geht Super 8 eher spärlich mit seinen Actionszenen um und erzählt seinen Stoff behutsam. Die einzig erwähnenswerte Actionszene ist das in seinem Zusammenhang völlig überladen inszenierte Zugunglück. Computerbilder und Krawall haben in Abrams‘ Rückbesinnung keinen Platz. Und das ist auch gut so.

Super 8
Science Fiction, USA 2011
Regie: J.J. Abrams
Darsteller u.a.: Joel Courtney, Elle Fanning, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills, Gabriel Basso
Verleih: Paramount Home Entertainment
VÖ: 24.12.2011

Erstveröffentlichung der Rezension auf unicum.de

2 thoughts on “Flimmerkiste /// Super 8 (J.J. Abrams)

  1. Ein großartiger Film, da kann ich dir nur zustimmen!
    Gerade weil der Film aus Sicht der Kinder erzählt wird, berührt er so sehr. Sie sind ja aber auch eine Metapher für Super 8. Ihnen passiert alles zum ersten Mal: Das erste Verliebtsein, die erste Eifersucht, das erste Mal müssen sie Verantwortung übernehmen (auch für ihre Familien), das erste Mal wird die Jungenfreundschaft auf die Probe gestellt. Sie sind so unbedarft und unbeschrieben wie die Filme zu Beginn der 70er-Jahre, als die Kameras schneller und beweglicher wurden. Es gab keine Computeranimationen, keine zu übertreffende Actionszenen, keine 1001 Liebesgeschichten, die umschifft werden mussten. Der Film im Film nimmt dann spielerisch den Bezug zur Kinogeschichte (und Spielberg) auf.

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