Rezension /// „Chew – Bulle mit Biss! (Vol 3: Eiskalt Serviert)“

ChewSeitdem sich der Münsteraner Tatort so blutleer anfühlt wie die zahlreichen privaten Ermittler-Soaps seit Jahren schon sind, lohnt es sich nach neuen Kriminalisten Ausschau zu halten. Nach Tony Chu zum Beispiel.

Tony ist Sonderermittler der Arznei- und Nahrungsmittelbehörde (FDA) und befasst sich dort mit extrem abnormen Kriminalfällen, die nicht mal ein John McLane (Stirb Langsam) mit fünf Aspirin intus lösen könnte. Abnorm – oder besser gesagt: ungewohnt – sind auch Tonys Untersuchungsmethoden. Er ist Geschmacksknospen-Telepath (Cibopath). Was das bedeutet? Wann immer Tony von einem Royal TS kostet, weiß er, was schon alles damit passiert ist oder wie und wo es hergestellt wurde. Zu seinem Leidwesen muss Tony im Falle eines Einsatzes ganz andere Dinge in den Mund nehmen: getrocknetes Blut zum Beispiel. Dieses verrät ihm, was das Opfer in den letzten Stunden seines verblichenen Lebens so alles angestellt hat.

Während Tonys Gaumen in den ersten beiden Sammelbänden eine Menge Geschmacklosigkeiten aushalten musste (Leseempfehlung: drittes Kapitel im ersten Band; absolut widerlich), läuft es richtig knorke für den cibopathischen Ermittler: sein neuer Kollege ist zuverlässig, sein cholerischer Chef schreit nicht mehr ganz so laut und die Kolumnistin Amelia Mintz hat ihm den Kopf verdreht. Alles läuft prächtig, bis sein psycho-, und cibopathischer Ex-Partner Savoy wieder auftaucht und Stunk macht. Savoy ist ein fieser, klopsiger Bösewicht und hat es auf Tony abgesehen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, biss…

Chew ist im angloamerikanischen Raum lange kein Geheimtipp mehr. Guillorys pulpige Panels und Laymans abgründiger Humor wirken der Krise der großen Superheldenerzählungen entgegen. Chew zeigt, dass gerade in Zeiten der fehlenden Flexibilität ein wenig Risikobereitschaft von Nöten ist, um originelle Reihentitel zu schaffen, die es mit den Spandexträgen von DC und Marvel aufnehmen können. Der Mix aus Krimi-Parodie, Gourmet-Action und origineller Inszenierung trug außerdem dazu bei, dass Chew 2011 als „beste Comic-Serie des Jahres“ mit dem EISNER-Award ausgezeichnet wurde – einer der wichtigsten US-amerikanischen Comicpreise überhaupt.

John Layman, Rob Guillory

Chew – Bulle mit Biss! (Vol 3: Eiskalt Serviert)

CROSS CULT / 2011

Hardcover, 128 Seiten, farbig

Foto: Rob Guillory via Wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s