Interview mit Felix Mertikat (Steam Noir – Das Kupferherz)

Steam Noir - Das KupferherzEin zerbrochener Planet, dessen Schollen im Äther treiben. Eine Toteninsel, dessen Bewohner die Welt der Lebenden heimsuchen. Ein morbider Kriminalfall, der ein ungleiches Ermittlerteam an ihre Grenzen treibt. Und dazu groteske Maschinenwesen und übernatürliche Phänomene. Willkommen in der bizarren Welt von Steam Noir. Willkommen in der neuen Graphic Novel von Felix Mertikat und Benjamin Schreuder.

Felix, vor kurzem ist der erste Band deiner Graphic Novel-Reihe Steam Noir – Das Kupferherz erschienen. Worum gehts da inhaltlich?
In erster Linie handelt Kupferherz von einem Kriminalfall. Die Leiche eines Mädchens ist verschwunden. Sie wurde mutmaßlich von einer Seele aus dem Totenreich gestohlen. Im Verlauf des ersten Bandes der Graphic Novel stellen sich dann Fragen zu ihrer Todesursache: Wie kam das Mädchen in den Kamin? Wer hat den Kamin zugemauert? Wer war der Mörder? Weiterhin geht es um ein mysteriöses Kupferherz, dessen Herkunft und Verbleiben auch geklärt werden will. Der Band, der gerade veröffentlicht wurde, ist der Auftakt einer Reihe von der es noch drei Bände geben wird. Es wird noch etwas dauern, bis alle Bücher draußen sind. Was dann mit Steam Noir passiert, ist noch offen.

Und darüber hinaus?
Im Prinzip geht es um die Frage: Was würden Menschen tun, um den Tod zu verhindern? Das Kupferherz scheint das Mittel zum ewigen Leben.

Der Titel ist eine Zusammensetzung aus verschiedenen Wörtern. Was verbirgt sich dahinter?
Steam weist natürlich auf das Genre Steampunk hin. Noir macht deutlich, dass wir uns im Film Noir bewegen. Film Noir sind zumeist Kriminalgeschichten mit skurrilen Figuren. Steam Noir könnte stellvertretend für ein Subgenre stehen – so eine Art düsterer Steampunk. Titel erklären ist schwierig, da sind Marketing Experten besser geeignet als ich.

Du bist auch Rollenspiel-Autor. Wie viele Motive aus Steam Noir stammen aus dem Rollenspiel Opus Anima?
Kupferherz ist ein Abenteuer, das ich für Opus Anima geschrieben habe. Dieses Abenteuer kenne ich in und auswendig, weil ich es auf etlichen Conventions geleitet habe. Für die Graphic Novel haben wir die Geschichte überarbeitet und an der Logik gefeilt. Ein Leser, der beides gelesen hat, wird erkennen, dass es viele Parallelen gibt.

Du verarbeitest viele Steampunk-Anleihen: Dampfmaschinen, viktorianische Kleidung, Maschinenmenschen, mechanische Prothesen. Was ist das Besondere an dieser “Jules Verne-”Ästhetik?
Steampunk gibt eine gewisse Freiheit beim Designen. Da spielt der Do It Yourself-Ethos mit rein. Und das Tolle: Es muss nicht alles logisch sein. Beispiel: Du hast einen Roboter. Hängst einen Kamin ran und alle sagen: „Ja, das ist ein Dampfroboter.“ Klar, ist es völlig utopisch, dass das funktionieren könnte, aber trotzdem fasziniert es die Menschen seit 1850. Steampunk arbeitet entgegen des Dogmas, dass alles eine Funktion haben muss, um gut aussehen zu dürfen. Bei Steampunk ist es genau umgedreht: Hauptsache es sieht gut aus. Die Funktion ist nicht so wichtig.

Wer sollte Steam Noir unbedingt lesen?
Hmm… Ich glaube eher, dass es viele Leser abschrecken wird, weil der Stoff sehr morbide ist. Das Kupferherz ist nicht für jedermann. Ein gutes Zeichen für mich ist, dass mein Vater, der mit all diesen Themen – mit Ausnahme des Todes – nichts anfangen kann, das Buch verschlungen hat und nun den zweiten Band will. Wenn meine Oma irgendwann das Gleiche sagt, dann habe ich die Gewissheit, dass es für viele Menschen interessant sein kann.

Kann man von Graphic Novels leben?
Wenn du gerne Graphic Novels zeichnest, solltest du zusehen, dass du irgendwoher sein Geld reinbekommst. Ich sags mal so: Ich lebe dafür, aber noch nicht davon.

Zur Person:
Felix Mertikat wollte Tierarzt, Regisseur, Art-Director und Biologe werden. Zum Glück hat er sich für ein Studium an der Filmakademie Baden-Württenberg (Ludwigsburg) entschieden. Eigentlich unüblich, dass die Filmakademie einen Zeichner aufnimmt, der „eigentlich nichts mit Film am Hut hat“. Vor seiner Abschlussarbeit stellte er sich die Frage: „Was kann ich als Zeichner machen, wenn ich eine Geschichte erzählen will?“ Film war keine Option, also wählte er die neunte Kunst, den Comic. In Benjamin Schreuder findet er einen geeigneten Partner für seine erste Graphic Novel, die so heißt wie sein Protagonist: Jakob. Mertikat hat Glück, denn der Cross Cult-Verlag, ebenfalls aus Ludwigsburg, greift zu und veröffentlicht Jakob. Die Graphic Novel wird vom Feuilleton in den Himmel gelobt und mit dem „Sondermann“-Preis der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet. Mertikats aktuelle Graphic Novel Steam Noir – Das Kupferherz ist der Anbeginn einer mehrbändigen Saga, welche vom Stil her Steampunk-, Film Noir- und Studio Ghibli-Elemente miteinander vereint.

Fotos: steamnoir.com

Benjamin Schreuder, Felix Mertikat

Steam Noir – Das Kupferherz

cross cult

Hardcover, 64 Seiten

2 thoughts on “Interview mit Felix Mertikat (Steam Noir – Das Kupferherz)

  1. sorry, dass du so lange auf eine antwort warten musstest. ich hatte probleme mit meinem spam-filter. dort sind alle kkommentare hängen geblieben. den like-button werde ich noch nachträglich einbauen. lg, holger

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