Plattenkritik /// The Miserable Rich „Miss You In The Days“


/// Miss You In The Days liefert zehn, opulent orchestrierte Spukgeschichten, bei denen die Gänsehaut schon vorprogrammiert ist. So als würde man zu einem Schlagzeugbeat an einer Tafel kratzen.

Spukhäuser sind gern gesehene Motive in Gruselgeschichten und Horrorfilmen. Nicht selten tragen die meist maroden und verwinkelten Anwesen eine schreckliche Vergangenheit, die die Hausverwalter lieber verschweigen. In dem nordenglischen Anwesen „Blicking Hall“ soll beispielsweise die Königsgattin Anne Boleyn geköpft worden sein. Boleyn hatte das Pech mit Heinrich dem VIII. verheiratet zu sein. Heinrich hatte sich in eine andere verguckt und entspann eine Intrige, an dessen Ende Boleyns Enthauptung in „Blicking Hall“ stand. So weit, so morbide.

Für die Aufnahmen zu Miss You In The Days haben sich The Miserable Rich ausgerechnet von den Mythen um „Blicking Hall“ inspirieren lassen. Für die Aufnahmen wurden sogar einige Räume des Anwesens zum Tonstudio umgebaut. Das perfekte Ambiente für die Pop-Exoten aus Brighton, die ihre Klampfen gerne gegen Streicher eintauschen. Und auch sonst kein noch so gewagtes Klangexperiment auslassen. Das Ergebnis sind zehn, opulent orchestrierte Spukgeschichten, bei denen die Gänsehaut schon vorprogrammiert ist. So als würde man zu einem Schlagzeugbeat an einer Tafel kratzen. Doch selbst jenem Gänsehaut verursachenden Geräusch könnten The Miserable Rich einen Wohlklang entlocken.

Miss You In Days erweitert den Sound der Band um etliche Nuancen. Wer die Jungs noch als Kammermusiker kennt, die unverstärkte Konzerte ohne Drummer und Gitarren spielten, wird viele Neuerungen finden. Eine davon trägt den Namen David Schlechtriemen und unterstützt die Combo von nun an mit perkussiven Elementen. Schlechtriemen macht einen wirklich guten Job und lässt die ohnehin schon hervorragend strukturierten Songs noch dramatischer wirken. Jener Sinn von Dramatik durchzieht schon den Opener „Laid Up In Lavender“. Der Song startet unvermittelt. Leise klopft das Klavier die Achtel ab, während im Hintergrund die Teufelsgeige leise die Melodie säuselt. Danach folgt „Imperial Lines“ mit einem klasse Kammerorchester-Intro. Den obligatorischen Ohrwurm liefert dann „On A Certain Night“ – Gezupftes Streichwerk vor einer beschwingten Kulisse. Da vergisst man fast das Gruseln. Epic!

On A Certain Night by The Miserable Rich (via Soundcloud)

/// The Miserable Rich
/// Miss You In The Days
/// Hazelwood Vinyl Plastics / Rough Trade
/// Für Fans von: Edgar Allan Poe, Sons of Noel & Adrian, Mumford and Sons, The Leisure Society

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