Plattenkritik /// The Drums „Portamento“

Foto: thedrums.comIm ewigen Kreiseln um Erfolg und Stärke zeigen The Drums, dass auch weinerliche Großstadt-Bengels tough sein können.

Was bisher geschah: Zwei Jungs aus Florida (Jonathan Pierce und Jacob Graham) lernen sich in einem Sommercamp kennen und beschließen als The Drums sommerliche Musik zu machen. Auf dem Peak des Garage & Surf Pop-Revivals veröffentlichen The Drums – na was wohl – eine Surf-Pop-E.P., die leider hierzulande wenig Gehör findet. In New York ist das anders. Jacob und Jonathan werden im Big Apple mit offenen Armen empfangen. Sogleich macht man sich – zusammen mit den Neuzugängen Connor und Adam – daran, noch mehr Songs wie „Let’s Go Surfing“ einzuspielen. Songs, die den Wärmeakku gleich mitliefern. Songs, die einfach strukturiert und doch harmonisch vielschichtig sind. Und last but not least: Songs, die beständig zwischen New Wave und Surf Rock pendeln. So als würden Robert Smith (The Cure) und Brian Wilson (Bach Boys) gemischtes Doppel spielen. Wenn nur nicht Smiths Kajal alle paar Minuten verschmieren würde.

Dass Jacob und Jonathan nie Surfen waren, interessiert nicht die Spur. Wenn sie nur weiterhin so gut abliefern, wie auf ihrem selbstbetitelten Debüt (2010), ist die fehlende Authentizität kein Problem. Aber wie stehts mit der Fachpresse? Manche Zeitschriften beschweren sich über die exaltierte, schnöselige Art der Wahl-New Yorker. Andere verteufeln ihren zur Schau gestellten Hedonismus, der sich in ‚modischen’ Frisuren entlädt. Bildet euch selbst eine Meinung.

Eine Introspektive in Moll

Befindlichkeitsfixierung und Populärmusik gehören so sehr zusammen wie das Amen und die Kirche. Nirgendwo sonst wird so viel vermisst, geklagt, geflennt, geplärrt, geheulsust und geschluchzt wie im Popsong. Nirgendwo sonst ist das Herzeleid so etabliert wie in der Popmusik. Die Trauerarbeit wird dabei gleich doppelt geleistet. Zum einen vom Künstler, zum anderen vom Hörer. Gegenseitig reicht man sich die Taschentücher und schluchzt um die Wette.

Auf Portamento wird das befindlichkeitsfixierte Emo-Dasein aus der Sicht des urbanen New Wavers geschildert. „I’ve seen the world and there’s no heaven and there’s no hell“, konstatiert Pierce schon im ersten Song („Book of revelation“) und gibt das Leitmotiv für die nächsten elf Stücke vor. Pierce liefert stets eine kleine Introspektive und stellt das Leid seiner Protagonisten in größere Zusammenhänge. Seine Geschichten enden nicht selten tragisch. Nach 2.30 min stehen zumeist Tod und Trauer. Hat man das erst erkannt, hilft nur noch das Taschentuch. Doch auf halbem Weg versagt die Hand. Aber warum? Wahrscheinlich liegt das am sonst so wattebauschigen Sound von Portamento. Bis dann die Klagemauer – in Form eines sehr negativen Textes – über dem Hörer zusammenbricht. Da hat wohl jemand von The Cure abgepaust?

Fotos: thedrums.com

 

The Drums
Portamento
Moshi Moshi / Cooperative Music / Universal

Erstveröffentlichung der Rezension auf unicum.de.

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