Plattenkritik /// Beirut – The Rip Tide

Foto: Kristianna SmithSechs Jahre im Musikbiz und noch keinen Deut schlechter. Zach Condon (alias Beirut) ist wie immer Global a go-go. The Rip Tide ist seine neue Spielfläche.

Seit nunmehr fünf Jahren tourt Zach Condon – besser bekannt als Beirut – nun schon mit Entourage (wechselnde Musiker) und Equipage (barocke Instrumentierung) durch die Weltgeschichte. Dabei bezirzt er Musikkritiker und Discogänger gleichermaßen. Und das obwohl er sich mal so gar nicht um Hypes und kontemporäre popkulturäre Band-Outfits schert. Soll heißen: Condon braucht keinen arty-farty Kurzhaarschnitt, keine Retro-Referenzen und auch keine Airplay-tauglichen Songs, um ein kleines Stückchen vom großen Kuchen abzubekommen. Er ist die Schlagsahne auf eben jenem.

Während Beirut in der Vergangenheit ausgiebig mit französischen Chansons (The Flying Cup Club, 2007) und osteuropäischer Folklore experimentiert (Gulag Orchestar, 2006; March of the Zapotec and Realpeople Holland, 2009), kommt The Rip Tide im erstem Moment viel unprätentiöser und gediegener daher. Die beschwingte, laut polternde Gangart, die Beirut in den letzten Jahren für sich beansprucht haben, ist auf ihrem aktuellen Silberling einer Unaufgeregtheit gewichen. Am besten lässt sich das in „A Candle’s Fire“, „Santa Fe“ und im Titelstück „The Rip Tide“ nachhören. Die Bläsersätze stehen nicht mehr im Vordergrund. Sie werden vielmehr zur Akzentuierung eingesetzt. Außerdem wirkt die Rhythmus-Sektion aktuell viel aufgeräumter, was vermutlich an den zahlreichen, knuffigen Drumsamples liegt, die auf weiten Teilen des Albums eingesetzt werden. Condons samtene Stimme erzählt wie immer mehr aus dem Off. Als wäre er ein extraterrestrischer Besucher, der über die merkwürdigen Erdlinge und ihre noch viel merkwürdigeren Eigenarten berichtet. Daran muss man sich erst gewöhnen. Sollte man auch, denn sonst verpasst man viele großartige Melodien und eine Menge Herzenswärme.

Beirut – „Santa Fe



Beirut

The Rip Tide
Label: Pompeii / Indigo
VÖ: 26. August 2011

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