Flimmerkiste /// Trollhunter (DVD)

In Norwegen soll es wieder Trolle geben. Glaubst du nicht? Trollhunter liefert den Beweis.

Norwegen. Die Braunbärpopulation schwindet rapide. Viele der ansässigen Bären begehen Republikflucht nach Schweden. Andere werden rücksichtslos von Wilderern dahingemetzelt oder enden als Attraktion im Zirkus. Das bringt ein Team von Filmstudenten auf den Plan, die auf die desolate Lage der letzten norwegischen Braunbären in einem Dokumentarfilm hinweisen wollen. Sie treffen auf den resoluten Hans. Ein kantiger Naturbursche, der mit seinem Wohnwagen scheinbar ziellos durch die Walachei düst. Hans weckt das Misstrauen der Studenten. Ob er wohl ein Wilderer ist? Ein fieser, gemeiner Tierquäler?

Nein, Hans ist Trolljäger. Ein ziemlich abgebrühter sogar. Sein Job: Trollen vor allem dann auf die Pelle rücken, wenn sie sich Kuh- und Schafherden einverleiben. Das gibt unschöne Schlagzeilen, die dann und wann vom Troll Security Team (TST) verschleiert werden müssen. Hans ist natürlich Teil des TST und so langsam hat er keinen Bock mehr, den Dreck von anderen wegzumachen. Trolljäger zu sein ist „ein Scheiß-Job“, wie Hans sagt: „Schlechte Vergütung, keine Gefahrenzulage, keine Nachtzulage.“ Er will alles Publik machen. Die Welt soll erfahren, „dass Trolle existieren“. Ein gefundenes Fressen für die Filmstudenten.

Don’t Feed the Trolls

Angelehnt an das bekannte Blair Witch-Format, kommt Trollhunter ganz im semi-professionellen Dokumentarfilm-Stil. Was das heißen soll? Anfangs bekommt der Zuschauer ein Wirklichkeitsversprechen. Der Film beruhe auf wahren Begebenheiten, deren Echtheit von irgendwem irgendwann überprüft wurde. Um dem Authentizitätsanspruch gerecht zu werden, gibt’s keine Schauspieler, sondern ‚echte Menschen‘. Zudem auch noch verwackelte Kameraaufnahmen von verregneten Landschaften – bloß keine Sonne zeigen – und Tonschnitzer. So gehört sich das. Das erleichtert das Einfühlen der Zuschauer in den Stoff, der gar keiner sein will.

Doch wohingegen Blair Witch Project und Paranormal Acitivity, die beiden Referenzfilme in dem Genre, eher dem „Weniger-ist-mehr“-Prinzip folgen, verliert sich Trollhunter in einem Geflecht aus Überkonstruiertheit und Spannungslosigkeit. Allein die Handlung ist so sprunghaft und überladen, wie nur irgend möglich. Warum baut der Drehbuchschreiber da einen komplett überflüssigen Verschwörungs-Plot ein? Warum zeigt der Film die Trolle in ihrer Gänze? Fragen über Fragen, die den Film nicht unbedingt besser machen. Um es auf die Spitze zu treiben: Warum hat man sich bei Blair Witch Project so gegruselt? Eben weil der Zuschauer so ratlos war wie der Darsteller. Die Rollen haben sich sozusagen angeglichen: Man ist im Kinosessel mit durch den Wald geirrt. Hat sich mit den Darstellern verlaufen. Nach Antworten gesucht. Die Rätselhaftigkeit der Ereignisse hat einen Spannungsbogen erzeugt, der irgendwann unerträglich wurde. Das vermisst man bei Trollhunter.

Doch der Punktabzug bei Trollhunter ist gleichzeitig auch ein Gewinn. Denn aus seiner Tollpatschigkeit entwickelt sich in vielen Momenten eine Komik, wie sie nur in Edeltrash-Filmen zu finden ist: Schlechte Dialoge, Absurde Story-Elemente und verdammt mies animierte Trolle. Was will man mehr? Zugreifen: die B-Movie-Runde wird es dir danken.

 

Trollhunter – Du wirst es glauben, wenn du es siehst
Regie: André Øvredal
Darsteller: Otto Jespersen, Glen Erland Tosterud, Tomas Alf Larsen, Johanna Mørck, Hans Morten Hansen
Produktion: John M. Jacobsen, Sveinung Golimo
Verleih: UNIVERSAL PICTURES INTERNATIONAL
VÖ: 1. September 2011

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