Plattenkritik /// White Hills „h-p 1“

„h-p 1“ ist die Intonation der schlechten Laune. Ein sperriger Bastard aus noisigen Gitarrenspuren und spacigen Synthies.

Marx wäre erfreut, könnte er sich den Beipackzettel zur neuen White-Hills-LP durchlesen: „We have been sold the religion of consumerism to feed the corporate machine“, steht da neben anderen griffigen Phrasen, mit denen man allzu gerne neoliberale Praktiken in Säure auflöst. Ist hier jemand angepisst von den herrschenden Verhältnissen? Doch White Hills verteilen nicht nur symbolische Ohrfeigen, sie neigen auch zu größerem Aktionismus. Soll heißen: „h-p 1“ ist das Intonieren der schlechten Laune. Ein übel gelaunter, sperriger Bastard aus noisigen Gitarrenspuren und spacigen Synthies. Die krakeelende Stimme dazu klingt wie ein Störgeräusch. Sicherlich wird es auch dafür eine Nische geben. Antiästhetik zieht immer.

Wäre das Ganze nicht so kacke abgemischt wie der Bootleg einer Grindcore-Band, könnte man Gefallen daran finden. Denn egal, wie man seinen Equalizer einstellt, da ist nichts mehr zu retten, weshalb man das gute Stück im schlimmsten Fall aus dem Fenster wirft. Aber wenigstens da funktioniert die angestrebte Konsumkritik: Mach kaputt, was dich kaputt macht!

White Hills
h-p 1
Thrill Jockey / Rough Trade

Erstveröffentlichung dieser Rezension in INTRO #194 /Juli 2011

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