Plattenkritik /// FM Belfast „Don’t Want To Sleep“

Irgendwie hat sich die Wahrnehmung von isländischer Musik gewandelt. Verschroben sind auf einmal alle, auch die auf dem Festland. Die Hausmarken (Sigur Rós und Björk) verlieren sich in der Pluralität und im Wiederholen bekannter Muster. Soll heißen: Das Eiland steht nicht mehr für Progressivität und bringt auch irgendwie keinen frischen Wind mehr in den Pop-Diskurs. Alles Quatsch. Die isländische Musikszene floriert nach wie vor, man muss nur den Fokus öffnen und darf nicht immer nur nach Singularitäten suchen. Bestes Beispiel: FM Belfast.

Isländer sind melancholisch und bisweilen depressiv. Der Staat pleite. Einzig ihre Natur weiß sich gekonnt durch Vulkanausbrüche in Szene zu setzen. Aber Musik machen können sie, diese Isländer. Das fängt bei Björk an und hört bei FM Belfast auf. Doch irgendwie hat sich die Wahrnehmung von isländischer Musik gewandelt. Verschroben sind auf einmal alle, auch die auf dem Festland. Sigur Rós ist Konsens geworden. Björk hält sich mit Tantiemen ihres Backkatalogs über Wasser. Die Hausmarken verlieren sich in der Pluralität und im Wiederholen bekannter Muster. Soll heißen: Das Eiland steht nicht mehr für Progressivität und bringt auch irgendwie keinen frischen Wind mehr in den Pop-Diskurs. Alles Quatsch. Die iIsländische Musikszene floriert nach wie vor, man muss nur den Fokus öffnen und darf nicht immer nur nach Singularitäten suchen. Bestes Beispiel: FM Belfast.

Reinhören /// FM Belfast – I Don’t Want To Go To Sleep Either

Die trashigen Elektro-Popper, deren Live-Performances gut und gerne zum Happening mutieren, gibts seit nunmehr sechs Jahren. Alles begann mit dem Song „Lotus“, ein Weihnachtsgeschenk, das Lóa Hlín Hjálmtýsdóttir und Árni Rúnar Hlöðversson für ihre Freunde aufnahmen. Der Song bockte. Lóa und Árni holten zwei Bekannte ins Boot und begannen im stillen Kämmerlein Songs zu schreiben. 2008 erschien dann ihr Debüt How To Make Friends, welches wiederum ihren Status als kumpelige Spaß-Kapelle geprägt hat. Im Mittelpunkt stand die Party. Der Sound: unbekümmert, fast schon naiv. Die Texte: redundande Englisch-Häppchen, die selbst Sechstklässler verstanden. Was letztere allerdings nicht blickten, war der offensichtliche Umgang mit Ironie, musikalisch wie textlich.

Im Prinzip ist bei FM Belfast alles ironisches Material, mit dem experimentiert wird. Ihr aktueller Silberling „Don’t Want To Sleep“ ist das beste Beispiel dafür. Hier werden Klischees der elektronischen Musik durchexerziert: perkussive Steigerungen, Pathos, kitschige Synthies und vor allem der Anspruch aus allem eine riesige Feierei zu machen. Live wird das Ganze wiederum durch den Fleischwolf gedreht. Kein Song klingt wie auf Platte. Und wenn die vier keinen Bock auf Party haben, dann liefern sie eben ein ambientes Set ab.

Sicherlich lässt sich bei all diesen Spielchen mit der eigenen Identität eben auch nach dem Vorhandensein einer solchen fragen. Blöde Frage, weil rhetorische Frage. Natürlich gibt es diese. Es ist das wechselseitige Verhältnis von Unbekümmertheit und Melancholie, welches „Don’t Want To Sleep“ so spannend macht. Der mollige Unterton in den Synthiepassagen. Introspektive Gesangsparts. Die cheesigen Refrains, die sich mit den trägen Strophen abwechseln. Da schwebt eine Menge Dynamik im Raum. Wollen wir hoffen, dass sich FM Belfast nicht darauf ausruhen und weiterhin so gut abliefern, wie sie es bisher getan haben.

FM Belfast
Don’t Want To Sleep
Morr / Indigo

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s