Plattenkritik /// Aucan „Black Rainbow“

Aucan, photo by Giordano GarosioAucan? Klingt wie Mückenschutzmittel! Aber nur vom Namen her. In Wahrheit haben wir es hier mit einer Band aus Norditalien zu tun, die heiß darauf ist Trip Hop zu einer neuen Renaissance zu vehelfen. Gelingt es ihnen auch?

James Blake hat Dubstep in ein neues Jahrzehnt geführt. Sein Stilmix – wummernde, in der Magengrube wühlende Basslines (Sub-bass, yeah!), gepaart mit gebrochenen Singer-Songwriter-Anleihen – hat nicht nur die hiesigen Musikgazetten verzückt, sondern das aufgeklärte Abendland den Glauben in die elektronische Musik wiedergegeben. Mit nötiger Liveerfahrung haben Aucan sich Ähnliches für Trip Hop vergenommen.

Seit 2009 haben die Italienier mehr als 150 Gigs gespielt. Die Bühne teilten sie mit Placebo, Antipop Consortium, Crookers, Sole (Anticon) und Black Heart Procession. Props gab es auch schon aus Holland. In diesem Jahr werden sie eine Performance auf dem Eurosonic Festival in Noorderslag hinlegen. Ein Beitrag auf der gleichnamigen Compilation wird ebenso anvisiert.

So, und nun kommt der schwierige Teil. Wie beschreibt man ein Soundkonzept, welches man  so noch nie gehört hat? Ein Sound, der sich in Dissonanzen wälzt und in der nächsten Sekunde zu einem synthetischen  Wohlklang mutiert? Ein Versuch ist es wert.

Dubstep-Anleihen ist man ja von den Aucan gewöhnt. Aber was sich dank stark überarbeitetem Aufnahmekonzept auf „Black Rainbow“ aus den Boxen schält, ist eine Wonne für die Ohren. Da türmt sich Soundscape auf Soundscape, um dann mit voller Wucht in eine Gitarrenwand zu krachen. Die tighten Drums tun ihr Nötigstes, um den Hörer dann vollends zu verwirren. Von hart bis zart ist da alles dabei. Der Effekt: Im Korsett des Analogen verliert der TripHop seine Gemächlichkeit. Wird organisch, so wie ihn Tricky in seiner Bestphase seinen Hörern vor den Latz geknallt hat. Das Gute daran: Weder wirkt der Genremix bei Aucan aufgesetzt noch affektiert. Nie wird der Song für das Überraschungsmoment aufgegeben.

Und jetzt noch was für die Schublade. Für Fans von: Massive Attack, Pivot, Aphex Twin, Radiohead. Einfach mal kramen, vielleicht ist auch was für dich dabei.

Photo by Giordano Garosio

Aucan
Black Rainbow
Africantape / Cargo Records

Aucan auf myspace

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s