Role Play Convention 2011 – Hand in Hand mit einem Stormtrooper

Elben, Zombies und Darth Vader – wer Fantasyfiguren von Mittelerde und Todesstern heiß und innig liebt, pilgerte am vergangenen Wochenende zur fünften Role Play Convention nach Köln.

Jan und Anke habe ich im Chat kennengelernt. Zwei bekennende Rollenspieler aus Bielefeld. Wir sind auf dem Weg nach Köln zur Role Play Convention. Für Anke ist es die 4. RPC, wie die Messe bündig abgekürzt wird. „Ich bin da ein alter Hase“, flüstert sie mir zu. „Für mich ist es die erste“, antworte ich. Das macht mich fast ein wenig nervös.

„Wie, du kennst nicht Elder Scrolls?“

Um Zeit totzuschlagen, blättere ich im Programmheft. Nette Infos für die Zugfahrt: „Auf der Messe für Rollenspiele“, heißt es da „gibt es wieder viel zu erleben: die Neuheiten verschiedener Spieleverlage, die ihr auf großzügigen Spielflächen oft gleich ausprobieren könnt, Lesungen bekannter Fantasy-Autoren und aufwendige Präsentationen von Fantasy-Computerspielen.“ Dann folgt ein kleiner Zusatz: „Auch ein umfangreiches Workshop-Programm mit vielfältigen Themen findet sich in den Messehallen. Auf dem Außengelände wartet darüber hinaus ein fantastischer Markt mit Ständen, Bühnenprogramm und vielen Darstellern auf euch.“ Gut zu wissen.

Jan und Anke machen derweil Nägel mit Köpfen. Auf Zetteln wird notiert, welche Halle/welcher Stand zu welcher Uhrzeit angepeilt werden müsse. Was man auf keinen Fall verpassen wolle, ist der Workshop „Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten im Gamedesign“. Ein Traumjob nicht nur für Jan und Anke, wie mir später beim Betreten des Workshops bewusst wird. Alle Plätze sind belegt. Vor der Tür warten zwanzig weitere Interessierte. Händereibend geraten die beiden in eine Diskussion über die PC-Rollenspielreihe The Elder Scrolls. Deren Entwickler seien heute auch vor Ort. „Da müssen wir unbedingt hin.“ Ich schalte mich ein, weil ich von diesem Spiel noch nie etwas gehört habe „Elder was? Muss man das kennen?“ Jan ist entrüstet: „Wie, du kennst nicht Elder Scrolls? Was tust du eigentlich hier?“ Er sieht erzürnt aus. Dann lacht er mich aus. Die Welt der Rollenspieler ist also doch keine abgeschottete. Sie ist offen für Ironie.

Hand in Hand mit einem Stormtrooper

Echte und falsche Zombies

Kaum auf dem Messegelände angekommen, trennen wir uns. Meine Gefährten wollen ihre Entwickler anhimmeln, ich interessiere mich für die Workshops in Halle 2.2. Auf dem Weg kommt mir ein Stormtrooper entgegen, der mit seiner verschmutzten Plastemontur aussieht, als hätte er gerade noch auf irgendeinem bewaldeten Rebellenplaneten eine Tracht Prügel bezogen. Jetzt aber hält der rüde Kerl nicht etwa seinen Laserblaster in der Linken, sondern eine zarte Frauenhand. Das machen Stormtrooper also in ihrer Freizeit!

Wenig später verrät mir Frank Hartmann, seines Zeichens Zombie-Jäger bei Post-Mortale Lebensformen, einige Survival-Tricks im Kampf gegen Untote. Richtig gelesen: Untote. Zombieangriffe, so weiß die Horror-Entertainment-Truppe aus Köln, gehören längst zum Alltag. Die Regierung, referiert Frank, versuche, sie als „Waldbrände oder Chemieunfälle mit Todesfolge“ unter den Tisch zu kehren. Doch so einfach lässt sich Frank Hartmann (eigentlich Ully Fleischer) nicht hinters Licht führen. In seinem Workshop „Der Zombie & Du: Ein Crashkurs zur Steigerung der Überlebenschance“ verrät er Tipps und Tricks, wie man Untote erkennt und sich zur Wehr setzt.

Bitte beachten: Untote sind teilverwest und blutverkrustet, riechen folglich eher übel, das Zentralhirn ist Matsche, der Gang nur noch schleppend, und die Hellsten sind sie auch nicht. Was Möglichkeiten eröffnet, sich vor den üblen Gesellen in Sicherheit zu bringen. „Weglaufen ist eine gute Idee“, meint der Experte. Wer´s handfester mag, sich mangels Waffenschein aber keine doppelläufige Schrotflinte zulegen darf, sollte ausgiebig im Baumarkt stöbern. Der Fachmann rät zu Spaten, Hacken, Stecheisen aus der Schreinerwerkstatt und schließlich zur guten, alten Kettensäge. „Aber bitte mit Benzinmotor, mit Stromkabel ist man räumlich doch sehr gebunden…“. Für Für Tipps dieser Art, ist die Gemeinde dankbar, überall strahlen zufriedene und lachende Gesichter. Das Zombieteam kann man übrigens buchen – Werbebotschaft: „Für Ihr ganz individuelles Firmenevent.“

Draußen vor den Messehallen in Köln-Deutz sind in der Zwischenzeit Mannschaftswagen vorgefahren. Die Polizisten allerdings kommen unverkleidet in Arbeitsmontur: Schild, Panzer, Helm. Der Anlass dazu ist eine Pro-NRW-Demo. Womöglich eine Schutzmaßnahme vor den eigentlichen Zombies?

Am Geldautomaten sind alle gleich

In Halle 2.2. suche ich Schutz und gebe mich ganz dem Konsum hin. Der Rollenspiel/ Gaming-Kosmos hat nämlich eine eigene Konsumindustrie hervorgebracht, die noch dazu nach ganz irdischen Gesetzen funktioniert, wie ich später feststellen darf. Brettspiele, Tabletops, Sourcebooks für Rollenspiele, Trading Cards, Figuren bekannter Helden zum Sammeln, Kostüme, Elbenohren, Vampirzähne, Schwerter, Keulen und Schieß- sowie Wurfgerät aller Art. Ich verlasse den Spielebasar und wandle in die nächste Halle, Pardon, ins Mittelalter, wie es heißen muss. An selbst gezimmerten Ständen bieten Schmiede, Bauern und Händler ihre Äxte, Schwerter, Rüstungen, Met und Spezereien feil. Ratte am Spieß gibt´s aber nur bei Monty Python. Immerhin sind die Waffen allesamt gepolstert, wie man mir sagt, Sicherheit geht vor.

Für das nächste LARP (Live Action Role Playing) suche ich noch ein Dach überm Kopf. Wie wär´s mit einem Zelt zum stilechten Campieren? Ein Kaufmann zeigt mir seine Auswahl. Modell „Artus“ fällt mir besonders ins Auge. Blauer Stoff mit Königswappen. „Dafür musst du schon ein paar Taler hinlegen“, entgegnet er mir. Die „Taler“ hören sich an wie Spielgeld, doch leider will der Mann echte Euro. Schlecht für beide Seiten, denn mein Portemonnaie ist leer. Am Ausgang sehe ich eine Schlange von Elben, Zwergen und Wikingern. Sie gruppieren sich um einen Geldautomaten. Hier sind dann alle wieder gleich.

Anke und Jan haben sich die Füße platt gelaufen. Wir beschließen die nächste Postkutsche nach Hause zu nehmen. Der Tag endet mit einem Völlegefühl an Impressionen und das im positiven Sinne. Ich weiß jetzt endlich, was Stormtrooper in ihrer Freizeit tun. Bin mir sicher, dass ich die Zombieapokalypse ohne Bisswunden überlebe und verneige mich vor all den liebevoll gefertigten Kostümen.

Mehr Infos:

RPC 2011
Post-Mortale Lebensformen
Post-Mortale Lebensformen auf arte

One thought on “Role Play Convention 2011 – Hand in Hand mit einem Stormtrooper

  1. Hübsche Bilder hat der Mann da gemacht! Die Steampunk-Uhrwerke gefallen mir, wie sollte es anders sein, am besten!

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