Rezension /// Matula „Blinker“

Matula sind zurück. Wobei, weg waren sie ja nie seit „Kuddel“. Es folgte eine Split mit NeinNeinNein, eine 4er Split u.a. mit Captain Planet und Konzerte quer durch Deutschland. „Blinker“ heißt der Nachfolger zum Debut und der erscheint erstmal ungewohnt.

Die Stimme von Sänger Tobbe scheint dem Touren Tribut zu zahlen, oder es ist das Alter. Heiser und kratziger wirken die Sätze, die alte Tonlage in weiter Ferne. Dies stört allerdings nur bei „Over The Top“, da es das Lied schon auf der besagten Split mit NeinNeinNein zu hören gab. Ansonsten braucht es nur ein paar Momente um der Verwirrung den Tritt zu geben.

Alltag oder einfach Leben, die Haupteinflüsse für die Geschichten, die diese Band seit je erzählt. Dabei geht es nicht immer um die Antworten, sondern vielmehr um die Feststellung. Diese erscheinen genauso wichtig, wenn nicht sogar zwingender, um die Fragen überhaupt verstehen zu können oder um selbst die Rückschlüsse zu finden: „Wenn Du einpennst / Wenn es weh tut / Wenn es keinen Sinn macht / Dann ist es Hammerbrock / Dann bist Du selber schuld / Dann ist es richtig so / Dann musst Du da durch“ („Hammerbrook“). Die eigene Welt, in kleinen Sätzen verpackt, war noch nie so nah dran am Leben der Anderen. Matula bringen dafür selbst das beste Zitat: „3 Minuten 30 drehen an der Welt“ („Karaoke“). Und bei „Blinker“ passiert das zehnmal hintereinander. Aus Bukowski-Sicht.

Eingebettet werden die Worte in ein harmonisches Gitarrenspiel mit dem Hang zur Detailverliebtheit. Im Vergleich zu „Kuddel“ fällt dieses wesentlich poppiger aus. Hochglanz sucht man dennoch nach wie vor vergeblich. Großartig, dass es noch Konstanten gibt: Immer ein wenig Grind und Schmutz auf den Saiten. Gerne auch Rost, aber nur um zu zeigen, wo man her kommt. Dazu bollern Bass und Schlagzeug. Moderner Punkrock, wenn es sowas gibt. Auf jeden Fall genug Frische von der Küste. Allein der Country-Touch bei „Hammerbook“ hätte auf dem Debut so wohl nicht den Platz gefunden. Die Entwicklung ist da, wenn auch nicht mit Reklame-Tafeln proklamiert.

Matula werden gerne in einem Atemzug mit vielen anderen Bands dieser Gattung verglichen und das mit Unrecht. Diese Band steht für sich. Und „Blinker“ direkt daneben, auf gleicher Höhe.

Photo: matula.tk

Matula
„Blinker“ CD / LP

Zeitstrafe

Matula zuhause

Beitrag von Daniel Kottkamp

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