Rezension /// Pen Expers „Dirty Tender Love“

„Dirty Tender Love“ – ein Titel, der für sich selbst spricht und mit wenigen Worten das ankündigt, was man auf der neuen Platte der schwedischen Formation Pen Expers zur Genüge antreffen wird: Liebe und Schmutz in allen Fassetten. Eine Litanei an die (un-)erwiderte Liebe, vorgetragen von einem Frontmann, der die Schwermütigkeit auf martialische Weise als Stilmittel einsetzt.

Findige Schreiberlinge nennen dies Gloom-Rock. Also schwermütiger, düsterer und nach eingängiger Internetrecherche auch trübsinniger Rock, der in Schweden zurzeit für volle Hallen sorgt und in Deutschland, mal wieder, im Schwung der Neuveröffentlichungen unterzugehen droht. Pen Expers haben es sich auf „Dirty Tender Love“ zur Maxime gesetzt ihren affektgeladenen Sound, den sie auf „Baby’s Gone Straight“ in aller Schroffheit aufgefahren haben, bis ins letzte Detail auszuformulieren. Das gelingt ihnen vorzüglich: Kompromisslos und unkonventionell sägen sich die Gitarrenlinien durch einen Wald aus teenage angst und Verbitterung. Man selbst ist verstört über die queren und lärmenden Töne, die sich Lied für Lied aus den Boxen schälen, um dann für immer im unteren Frequenzbereich zu verstummen. Nach der Apokalypse kommt bekanntlich ein Neuanfang, bis dann, na ja, man kennt das Spiel. In ihren großartigen Momenten („Drink To Me, Victoria Lee“, „wannadoher“, „A Mulish Heart“) klingen Pen Expers dabei wie The Birthday Party, um den damals noch nicht zum Sohnemann Luzifers aufgestiegenen Nick Cave. Alles in allem ein Vergleich, vor dem man keine Angst haben muss.

Nick Cave und Tom Waits haben – wenn man einen Blick in das Booklet von „Dirty Tender Love“ wirft – einen deutlichen Einfluss bei Pen Expers-Sänger Alexander Arvman hinterlassen. Arvman singt sich, ebenso wie seine Mentoren, die Seele aus dem Leib: er krächzt, schreit und spuckt so lange Galle, bis seine Stimmbänder mit der weißen Fahne wedeln. Seine Texte sind bevölkert von Prostituierten, Gaunern und bizarren Gestalten, die ihre Ehefrauen bestehlen, um sich vom erbeuteten Geld eine Knarre zu kaufen („Bitter Blues“). Das ließe sich morbide nennen oder trübsinnig, passt letztendlich jedoch stimmig zum Sound seiner Band.

Wenn man es nicht besser wissen würde, könnte man denken, dass die Welt nach dem Hören von „Dirty Tender Love“ nur noch aus bizarren Gestalten und Grautönen bestehen würde, so düster und morbide sind die Verse von Arvman. Dennoch: im Schwermut steckt auch immer ein energetischer Affektausgleich. Wenn man ihn zulässt. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr Frontmann dabei nicht zu Schaden kommt. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sein Alter Ego bei Pen Expers auch wirklich ein Alter Ego ist und dass der Arvman, der mit seiner Familie in Göteborg am Frühstückstisch sitzt, sich lediglich ein kleines Kunstfigürchen geschaffen hat, mit dem man den einen oder anderen Frust auf martialische Weise beheben kann.

Foto: blog.penexpers.com


Pen Expers

Dirty Tender Love
Alleycat Records / Soulfood Music

Pen Expers zuhause
Alleycat Records zuhause

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