7inch /// John K. Samson, Solemn League, Oiro

Daniel Kottkamp hat sich für euch durch den 7inch-Dschungel gewühlt und stellt mit Verwunderung fest, dass Single-Serien wieder im Kommen sind. Deshalb steht dieser Post auch unter dem Banner: „Songs für die schmale Geldbörse“ Das man mit diesem Motto jedoch auch Qualität verkaufen kann, hört man auf den neuesten Veröffentlichungen des Weakerthans-Sängers John K. Samson (via Grand Hotel van Cleef) und bei den leider noch etwas unbekannten Solemn League, die mit „The Beach/The Burden“ eine Homage auf The Van Pelt abgeliefert haben. Etwas kruder mutet dagegen die Single-Serie von OIRO an, diese schippern nämlich mit Urnen und Panini-Bildchen durch einen Ozean der Anarchie. Klingt komisch, ist aber so!
John K. Samson /// „City Route 85“
Auf Grand Hotel van Cleef erschien vor nicht allzu langer Zeit die erste Solo 7″ von John K. Samson. Vielen eher bekannt als Stimme der Weakerthans und genau hier ist der Ansatz und Brückenschlag dieser Veröffentlichung zu finden. Der Opener „Heart of Continent“ könnte problemlos auch auf einer LP seiner Hauptband zu finden sein. Schön, zart und charmant wie eh und je, erzählt Samson seine Geschichten. Er ist der stille Beobachter und passt die Akkorde den Impressionen an. Das kennt man natürlich, obgleich man es nicht missen möchte, denn das schafft Vertrautheit. Eine Vertrautheit zwischen Künstler und Publikum. Diese 7″ stellt dabei den Auftakt einer Serie da, auf denen Samson die Straßen und Highways seiner Heimat Kanada erkundet. So berichtet der Erzähler immer wieder von den Menschen, die entlang der City Route 85 ihre Zelte aufgeschlagen haben.

Die Single ist limitiert auf 500 Stück, kommt im blauen Vinyl und mit Download-Code.

Solemn League /// „The Beach/The Burden

Mit den beiden Songs „The Beach/The Burden“ legt eine vielversprechende Band nach. Zuvor nur durch eine Split mit Kids Explode sowie ein Live-Tape bekannt, werden hier zwei neue Lieder via Kids In Misery veröffentlicht. Musikalisch wurde im Netz etwas von The Van Pelt gelesen und dies ist auch hier der erste Eindruck. Mit genug Eigenständigkeit geht es zurück in die 90er. Sprechgesang trifft verschrobene Melodien. Solemn Leauge spielen Emo, keine Frage. Nicht das modische Erscheinungsbild, sondern vielmehr das, was einst darunter verstanden wurde. Dies hat man in den 90ern bei eben genannten The Van Pelt oder American Football in ähnlich ausdifferenzierter Weise gehört. Und genau daran erinnert auch das schöne, schlichte Artwork. An das Vergangene und doch nicht Vergessene. Schönen Dank, Solemn League. Abzug gibts nur bei folgendem Aspekt, dass nach zwei Liedern Schluss ist. Jetzt noch ein Album, bitte.

OIRO /// „Blut und Schleim“ + „Ozean der Anarchie“
Bereits im September 2009 erschienen, der Auftakt zur OIRO 7″-Serie. Das Konzept ist dabei ganz einfach: Im 3-Monats-Ryhtmus bringt jedes Mitglied eine Single mit den Liedern heraus, die er schon immer mal machen wollte. Teil 1 wurde dabei von Schlagzeuger Tomo 01 vorgelegt. „U-Boot aus Papier“ ist ein schneller, brachialer 58sek Song und verwebt in gekonnter Weise stumpfen Purismus mit tagesaktuellen Themen. Und ehe man sich von den Wortkaskaden erholt hat, wird auf „Blut und Schleim“, ein OIRO-typisches Brett, der politische Duktus aufgeweicht. Auf perfide Weise nähert man sich hier dem Thema Tod, augenzwinkernd versteht sich natürlich. Der ironische Bruch ist dabei wie immer einkalkuliert: „Die Familie telefonierte mit Gott / Was sollte das jetzt / Die Urne beklebt er allein / mit Star Wars Panini Bildern / ein großes A in einem Kreis / Mutter hustet und hustet Blut und Schleim“. Mit dem letzten Lied „Waffen und Gewalt“ wird dann noch ein kurzer Abriss über Polizistenliebe gegeben. OIRO eben, Mofapunks halt. Daher Pflicht!

Teil 2 der Single-Serie von OIRO folgte nun im Januar. Diesmal mit Sänger Jonny Bauer. „Ozean der Anarchie“ heißt seine Solo-Single und ist zugleich namensgebend für das erste Lied. Ungewohnt für OIRO hört man einen kitschigen Chanson, mit Klavier und Saxophon. Abgerundet wird das Ganze durch weibliche Vocals und einen Kinderchor. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen singt Jonny Bauer auch gleich noch über Leute, die ihn nicht mögen, wer das ist ihm egal, denn er „mag sie auch nicht“. Klingt logisch und irgendwie subversiv auf eine naive Art und Weise natürlich. Man mag es kaum glauben, aber dieses Lied funktioniert unglaublich gut.

Die Lieder der B-Seite wirken im Gegensatz zu „Ozean der Anarchie“ etwas zutraulicher. „Turnschuh im Stacheldraht“ kommt im charakteristischeren OIRO-Klanggewand. Tempo ist angesagt. „Das Spiel beginnt“ hat einen rumpeligen Basslauf, der direkt ins Bein geht. Die Orgel dazu gibt es gratis. Ebenso die beiliegende Autogramm-Karte.

Auch der zweite Teil der Single-Serie weiß zu gefallen und zeigt mal wieder, dass OIRO gerne für eine Überraschung gut sind. Wir sehen uns im Mai.

Beitrag von Daniel Kottkamp

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