Virgins of Hell – Furien der Apokalypse

Was habe ich mir eingebildet zu behaupten, über Trash-Movies wirklich alles zu wissen und jeden noch so banalen Film anzitieren zu können. Gestern ist mir bewusst geworden, dass das Wissen der Trashologie noch längst nicht erschöpft ist. Wie konnte mir ein so herrlich gegen die Wand gefahrener Film wie „Virgins of Hell“ mit dem prägnanten Subtitel „Furien der Apokalypse“ jemals entgehen? Liegt es vielleicht daran, dass man hierzulande mit arg begrenzten Mitteln wenig bis gar nichts von indonesischen Filmproduktionen mitbekommt? Oder einfach nur an der wirklich abstoßenden halb-gezeichneten DVD-Papphülle von „Virgins of Hell“?

Man weiß es nicht. Fakt ist, dass sich die indonesische Filmproduktion in den 1980ern auch ein Stück vom großen Kuchen Hollywood abschneiden wollte. Markus Risser beschreibt diese sagenumwobene Glanzstunde der Kinokultur auf seinem Blog badmovies.de wirklich vortrefflich:

Indonesische Filmemacher kamen irgendwann mal auf den Trichter, dass sie einerseits auf einem reichhaltigen Fundus verwertbarer Genre-Motive sitzen und andererseits mit schnell heruntergekurbelten Eigenprodukten den auch dort die große Kasse machenden US-Filmen die ein oder andere Rupie vom Box-Office-Kuchen abnagen könnten. Und so entwickelten sich die 80er Jahre, noch unter der Militärdiktatur, zu so etwas wie den ‚goldenen Jahren‘ des indonesischen Genre-Kinos – ähnlich wie in manch anderen Regionen, die unter vergleichbaren politischen Bedingungen schmachteten, boten sich Fantasy- und Horrormotive als Eskapismus für die Massen förmlich an und auch wenn die staatliche Filmzensur immer ein wachsames Auge darauf hatte, was die Regisseure und Produzenten so vom Stapel liessen, war es den Autoritäten allemal lieber, das Volk vertrieb sich die Zeit mit pane et circensem denn mit ernsthafen Ambitionen, die eigene soziale und politische Lage zu verändern. Und so liefen in den 80ern tonnenweise billig und billigst gefilmte gut blutige Filme vom Stapel, die gerne mal in Richtung der ehemaligen Kolonialherren auskeilten (die Jaka Sembong-Reihe).

Und bevor mein zusammengeklaubtes Halbwissen über das ostasiatische Inselreich gänzlich zur Neige geht, sollte man vielleicht noch kurz etwas über den Inhalt des Films verlieren. Ein mysteriöser Mr. X, also ein wirklich übler Schuft im Mariachi-Outfit, bringt die Eltern von Enny und Jenny um und richtet auf ihrem Grund und Boden die Zentrale eines Syndikats ein. Eben jenes Syndikat versucht mit Hilfe eines gekidnappten Chemielaboranten eine Wunderdroge zu entwickeln, mit der man Frauen gefügig machen kann. Zu dumm nur, dass Mr. X seine Rechnung nicht mit den motorisierten Virgins of Hell gemacht hat, einer Gruppe von Enduro-fahrenden, knapp bekleideten und stets perfekt frisierten, weiblichen Outlaws, die es sich zur Maxime gesetzt haben, den Tod von (J-)Ennys Eltern zu rächen. Es kommt zu einem ersten Showdown, in dem die Mädchen überwältigt und kurz darauf in einem Kerker inhaftiert werden. Überleben und Rache sind ihre einzigen Gedanken. Was soll man sonst auch machen, wenn man den ganzen Tag im Knast rumhängt? Und während Mr. X’s diabolischer Plan deutliche Konturren annimmt, beschließen die Mädchen es darauf ankommen zu lassen und entwerfen einen grandiosen, bisweilen jedoch ziemlich unsinnigen Fluchtplan.

Debile Action ist also vorprogammiert. Außerdem hat der Film alle Zutaten, um für immer in die Hall of Fame des Trash-Video-Abends einzugehen: Eine komplett verschachtelte, abstruse Story, schlechte Synchronisation, Chuck Norris-Action mit Flammenwerfern und anderen Pyroeskapaden, einen leicht erotischen Anklang, obgleich nie mehr als eine kaum noch verdeckte Brust zu sehen ist und damit zusammenhängend eine stereotypisierte, von männlichen Fantasien geprägte frauenfeindliche Attitüde, die nicht selten in Wort-Diarrhoe à la „Hör auf zu beißen, das ist nicht fair“ mündet. Programmatisch, bewusst oder unbewusst, versucht man also die Grenzen des guten Geschmacks gänzlich überzustrapazieren.

Ansonsten erfreut sich der geneigte Cineast über wunderbare Landschaftsaufnahmen, ach Quatsch, ich wollte sagen Pappbauten im Dschungelstil, die sich nachträglich in jeden Rambo-Film einsetzen lassen. Als Trashklopper geht er jedoch allemal durch, obgleich man gegen Ende leidlich auf die Uhr schaut oder sich nach seiner Fernbedienung sehnt, die so unerreichbar fern auf dem Schreibtisch liegt. Trotzdem: Ansehen, lachen und mitschreiben, denn die Dialoge sind Gold wert („Miri, was für eine Krankenschwester bist du, der Patient ist verletzt und du denkst nur ans Küssen!“ oder „Ihr könnt mich umbringen, aber niemals die Wahrheit!“)

„Virgins of Hell – Furien der Apokalypse“

Indonesien, 1987, 94 min, FSK: — (beschlagnahmt nach § 131 StGB)
Regie: Ackyl Anwari
Alternative Titel: „Virgins from Hell“, „Perawan disarang sindikat,“ „Perawan metropolitan diserang sindikat“

Artikel zum Film auf badmovies.de

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