Rezension /// Diverse „Bifrost Arts presents Come O Spirit!“

Während sich andere vor dem Goldenen Kalb verneigen, tut sich in Christenland der Himmel auf und hinterlässt mit „Come O Spirit!“ eine Compilation, die so unglaublich wie amerikanisch ist und den säkularisierten Mitteleuropäer mit Verwunderung zurücklässt.

Bifrost Arts hat es sich zur Maxime gesetzt, den Zauber des längst verloren geglaubten Kirchenliedes wieder in die Welt zu tragen. Und mal ehrlich: Als Normalo kennt man Choräle ja allenfalls nur noch aus der alljährlichen Pflichtveranstaltung „Weihnachtsgottesdienst“ oder eben aus der Neujahrsandacht, die im Konvolut aus alten tschechischen Märchen und dem Brand vom Vortag leidlich untergeht.

Mit Great Comfort (Records) bietet sich nicht nur vom Namen her eine herrliche Projektionsfläche für dieses Vorhaben. Eigentümer Daniel Smith beispielsweise gilt auch in der Rolle des Musikers als Kämpfer für die richtige Sache (verantwortlich für den verspulten Christ-Pop bei Danielson). In Geistesfragen lohnt es sich deshalb auch durchaus bei Daniel Smith und Great Comfort vorbei zu schauen – auf elektronischem Wege versteht sich natürlich, außer man wohnt in der Nähe von Clarksboro (New Jersey), wo das Label ansässig ist. Sie selbst beschreiben ihre Compilationreihe „Bifrost Arts presents…“ als authentischen Gottesdienst oder eben als Verjüngungskur des Kirchenliedes. Das kann man finden wie man will, allerdings sind Great Comfort weit davon entfernt sektenähnliche Züge aufzubauen. Wie sie ihre Rolle selbst sehen, lässt sich auch ganz gut aus dem Waschzettel zur Compilation herauslesen:

We believe authentic worship is not an action on our part… it’s a reaction. Whenever we get a glimpse of the loveliness and powerfulness of our Father, there is a reaction within us. When we let it out, we can call it “worship.” Good worship songs give us vehicles for those spontaneous reactions we have when we see God’s brilliance in creation and in His ways with us… His faithfulness and His generosity. We don’t worship God because we should, we worship God because we can… we have to let out the gratitude and the joy we feel at what we see, His kindness and love. This in not a Sunday activity, this is an everyday occurrence for those who have eyes to see His hand all around us.

Doch Compilation wäre nicht Compilation, wenn nicht mindestens zwei bis drei bekanntere Namen auftauchen würden: Neben J. Tillman (Fleet Foxes) und David Bazan (Pedro The Lion) schmuggelt sich auch völlig unverhofft ein Herr Sufjan Stevens auf „Come O Spirit!“. Mag man vom Missionseifer der Texte mal absehen, so wird jeder mit einer folkigen Musiksozialisation erfreut den Daumen heben und die Qualität der 13 Songs als durchaus erstligareif einordnen können. Ob sie allerdings zu volleren Häusern verhelfen kann, bleibt abzuwarten.

Diverse
„Bifrost Arts presents Come O Spirit!“
Great Comfort Records / Cargo
Bifrost Arts zuhause

Diese Rezension erschien zuerst in verkürzter Form auf Intro.de.

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