Rezension /// Captain Planet „Inselwissen“

Bei all der Veröffentlichungsflut innerhalb des deutschsprachigen Punkrocks der letzten Jahre ist es schwer geworden, den Überblick zu behalten. Es scheint, als würden fast tägliche neue Bands einen immer gleichen Sound gestalten. Ein Bekannter zog dazu einst den schönen Vergleich, dass Punkrock nun mal wie Erbsensuppe sei. Man weiß, was einen erwartet. Das Rezept ist bekannt und geschmackliche Unterschiede fallen nicht zu intensiv aus, aber gegessen wird so was immer wieder gerne. Vielleicht keine fundamentale Theorie. Im Kern dennoch brauchbar und vor allem wahr.
„Inselwissen“ lautet der zweite große Wurf der sympathischen Herren aus dem Norden und kommt zunächst ebenfalls erstmal altbekannt daher. Viel Tempo, viel Druck und diese Stimme, die die Verzweiflung gepachtet hat. Wie gewohnt schiffen sich Captain Planet durch den Alltag, die Menschen und die damit verbundenen Gedanken. Beobachten und reflektieren, suchen und nicht weniger finden als Erkenntnis: „Bist halt nicht der Typ – der sein Leben so lebt / wie Rambo an die Tanne springt.“ Ein Satz, der darauf wartet in die Haut getackert zu werden, weil er vor Weisheit und Raffinesse einfach nur strotzt. Auf diesem Gebiet spielt das Quartett ganz oben mit, keine Frage.

Doch auch musikalisch ist hier mehr Substanz zu finden, als noch auf dem Debut von vor 2 Jahren. Eine Entwicklung wird deutlich: Weniger Gitarrenverzerrung, teilweise wurde das Metrum gedrosselt und überraschende Melodiebögen sorgen hier für mehr Vielfalt, als man dieser Spielweise zunächst zutraut. „Walbaby“ oder „Knapp unter dem Dach „untermauern dies und „Blattsport“ besitzt am Ende gar soviel Pop, um vornehmlich darauf gemünzte Bands blass aussehen zu lassen.

Und das ist es mal wieder, was diese Band glänzen und viele weitere Mitstreiter abschütteln lässt. Hier wird nicht nur aufgewärmt und abgeguckt, sondern der eigene Weg bestritten, so eng dieser im Punkrock-Korsett auch sein mag. Captain Planet servieren hier eine starke zweite Platte, textlich wie musikalisch.

Wenn Punkrock also wie Erbsensuppe daherkommt, so gehört Inselwissen zur Gourmet-Sorte. Einen Tag durchgezogen ist das Ganze zwar schon, was aber einen intensiven Geschmack beinhaltet und durch frische Zutaten abgerundet wurde. Und vor allem bringt dieses Gericht eine angenehme Wärme gegen die kalte Jahreszeit mit sich.

Gastbeitrag vom ersten Obermat Daniel Kottkamp.

Captain Planet
Inselwissen
Unterm Durchschnitt

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