Sprechblase /// Rasen zertrampeln

Fußball ist ja immer so eine Sache. So ein Entweder-Oder-Ding, welches nur Konsequenz und resolutes Verhalten zulässt. Entweder man lässt sich mitziehen und wuselt im Stadion rum und gröllt auf den vordersten Rängen mit oder man besudelt den heimischen Teppich mit Bier ob des errungenen Ausgleichs seiner favorisierten Mannschaft. Ein „in der Menge untertauchen“ oder „einfach mal ne ruhige Kugel schieben“ ist da genauso fehl am Platz, wie die Eigenschaft einiger Spezialisten Fan-Devotionalien nur an Länderspielen aufzutragen. Das wird nicht gern gesehen. Kommt aber viel zu häufig vor seit der WM-Epidemie von 2006.
Seit geraumer Zeit versuche ich Gefallen am Fußball zu finden, aber irgendwie gelingt es mir nicht. Bin im Stadion gewesen, habe Teppiche besudelt und mich auch schließlich einiges an Fachvokabular erarbeitet. Hat alles nicht so richtig funktioniert. Das Stadion ist mir verhasst geblieben, dank der geifernden alten Herrn auf den hinteren Rängen und der fehlenden Spannung. Im Fernsehen sieht das alles anders aus. Wirklich! Allein die wechselnden Trainer-Formationen in der Bundesliga! Wer soll denn da noch bitte schön hinterherkommen?

Aber eines können die Fußi-Nerds: Sie sind allesamt Meister der Rhetorik. Diese Sprachbegabung rührt klar ersichtlich aus dem Bewusstsein, dass die Heimmannschaft auch notfalls auf Worten zum Sieg getragen werden muss. Koste es, was es wolle! Da werden Wortspiele kreiert, die in dieser Form niemals ihren Weg in den Duden finden würden. Da der Duden aber auf Masse baut und sich nur ein paar Pappnasen finden müssen, die nur oft genug ein Wort oder eine Redewendung in den Mund nehmen, ist der gemeine Fußballfan ein Bollwerk der Kreativität. Was auf dem Rasen an Neologismen und Sprachwunderwerken in der Dauerrotation sind, sucht man in den Hörsälen jeder sprachwissenschafltichen Einrichtung vergebens. Hier mal mein Favorit:

Da steckt die ganze Seele des Fußballs drin: Passion, Aggression, Rasen und die Gewissheit der eigenen Niederlage vor dem Hintergrund des feindlichen Sieges. Was aber noch viel wichtiger ist: Hoffnung, Hoffnung und immer wieder Hoffnung. Und wenn es auch nicht für den Sieg gereicht hat, so doch wenigstens für einen Punktsieg durch verbale Entgleisungen.

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