Rezension /// Clorinde „The Creative Listener“

Im Laufe des Jahres sammelt sich ja so einiges an. Uni-Krempel und Zettellandschaften bevölkern die Regale, zerschlissene Socken liebäugeln schon seit Monaten mit der Altkleidertonne, doch ihr Besitzer trägt sie immer wieder auf. Was findet sich noch? Veraltete Dokumente, Kaffeetassen, Staub und davon jede Menge. Man könnte sogar ein ausgeklügeltes Schichtsystem bei der Staubverteilung im Raum feststellen. Daran könnte man wirklich schnell die Wichtigkeit der verstaubten Gegenstände feststellen: Fernseher – wenig bis gar kein Staub. PC – sieht aus wie neu. Fenster – oh je, ich mach lieber das Licht an. usw.

Doch auch das Plattenregal weiß einige Geschichten zu erzählen. Da sind diejenigen, die sich wacker geschlagen haben (The Felice Brothers, Cats on Fire etc.); jene, die auf halbem Weg doch wieder umgekehrt sind (Kevin Devine, Peasant) und jene, die ihren Zauber erst nach und nach entfaltet haben, wie das italienische Ambient-Duo Clorinde, die mit „The Creative Listener“ zwar nicht unbedingt in den Eins Live-Airplay (dafür ist ihre Musik einfach zu speziell) geraten werden, die aber dennoch so viel Potenzial haben, um der Nachwelt auch in der Zukunft noch viele schöne Stunden zu bescheren.

Clorinde haben ihren Namen vermutlich einem Asteroiden zu verdanken, der 1889 von Auguste Charlois entdeckt wurde. Falls das jedoch nicht der Fall sein sollte, dann haben sich die Brüder Andrea Salvatici and Simone Salvatici wenigstens einen wirklich wohl klingenden Namen für ihr Projekt ausgewählt. Homogen ist auch ihr Ansatz von Musik, der immer wieder mit interessanten Instrumenten aufwartet, die ich so in dieser Kombination noch nie zusammen gehört habe. Da finden sich neben den herkömmlichen Saiteninstrumenten, die die Popmusik für sich gepachtet zu haben scheint unter anderem auch Xylophone, Glockenspiele, analoge und digitale Synthesizer und auch diverses Schlagwerk wie Kalimbas. Kalimbas??? Klingt super!

Nichtsdestotrotz beschreiben Clorinde ihren Ansatz als minimalistisch. Und auch die Opulenz und das Listenhafte der zahlreichen Instrumente wird man in „The Creative Listener“ wenig bis gar nicht finden, denn Clorinde funktionieren mehr als Klangfläche, denn als narzisstische Multiinstrumentalisten. Das elegische, tragende Element hat demnach auch viel mehr Ähnlichkeit mit Filmmusik, die sich Bildern unterordnen lässt.Und das steht ihnen wirklich gut. Ihre Songs tragen fast schon organische Züge. Und falls man nicht direkt in Stimmung kommt, so liefern Clorinde die Bilder für ihren Soundtrack gleich mit, wie man bei den unten stehenden Videos erahnen kann.

http://www.youtube.com/v/gUivz5qs1Dk&hl=de&fs=1&

http://www.youtube.com/v/ravZt049EHI&hl=de&fs=1&

Clorinde
„The Creative Listener“
Etruscan Records
Clorinde bei Myspace

2 thoughts on “Rezension /// Clorinde „The Creative Listener“

  1. Ach…(schmunzel)…der Holger und die Einleitung…man muss die bie beiden einfach gern haben,oder? Also Digga ick mag dein Stil! Und bevor hier jetzt irgendwer in homophobes Gelächter ausbricht, ich schrieb Stil nicht Stiel. Apropos Stil. Als ich mir Clorinde angehört hab kam mir das Ganze sofort bekannt vor, konnte es nur nicht zuordnen. Aber nach kurzem Umweg über die Isländerin von Amiina und alten Stücken der experimental Musiker von Xiu Xiu, bin ich schließlich beim guten Hauschka fündig geworden.Yo!Damit mein ich jetz aber nich das die Italiener abgekupfert hätten, echt nicht. Für mich erzeugen die nur eine ähnliche Stimmung.Na wie auch immer,supi die Combo. Fazit: Daumen hoch für Clorinde, Daumen hoch für Holger und die Einleitung!

  2. jetzt, wo du es sagst: eine gewisse ähnlichkeit zu hauschka besteht auf jeden fall, das lässt sich nicht abstreiten. über amiina hab ich gar nicht nachgedacht, aber stimmt, hast absolut recht, hab mir auch mal wieder ein paar alte videos von denen angesehen, nich schlecht. ich bin ja dafür, dass clorinde und amiina mal ne gemeinsame tour starten.http://www.bandstandbusking.com/artist/hauschka

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