Aus gegebenem Anlass /// Jim Carroll Band "People Who Died"

Jim ist ein wirklich herausragender Basketball- spieler. Er ist sogar so gut, dass er es bis in die Mannschaft an seiner High School in New York schafft. Sein Trainer prophezeit ihm eine große Karriere in der NBA. Die Zeichen stehen also gut für ihn. Doch Jim hat leider ein gravierendes Problem, dass nicht nur seine Basketball-Karriere zunichte macht, sondern auch alles andere in seinem Leben verändern wird: er ist heroinabhängig wie kein Zweiter, ein Junkie vor dem Herrn.

Wer hätte gedacht, dass Jim irgendwann einmal seine Memoiren veröffentlichen würde und dass es Leute gäbe, die sich für seine Leidensgeschichte interessieren. Absolut utopisch würde es sich auch anhören, wenn seine Memoiren irgendwann einmal verfilmt werden würden, mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle beispielsweise. Daran ist gar nicht zu denken. Jedenfalls jetzt noch nicht, was zählt ist der nächste Schuss und das Geld um eben diesen zu bezahlen.

Als Jim mal wieder etwas klarer ist im Kopf, gründet er eine Punkband, benennt sie nach sich selbst (Jim Carroll Band) und fabriziert gleich auf seinem ersten Album einen sehr merkwürdigen Song, der noch heute nichts von seiner Morbidität verloren hat.

„People Who Died“ ist eine ellenlange Liste, na, von was wohl? Von Menschen die gestorben sind und die Jim angeblich gekannt hat. Insgesamt singt Jim von 13 toten Personen, was allein schon ziemlich traurig ist. Wenn man jedoch bedenkt an was die vielen Leute in Jims Song so sterben und dass vornehmlich junge Menschen unter 16 umkommen, dann potenziert sich die die Trauer noch einmal. Teddy schnüffelt Kleber und fällt von einem Dach; Cathy säuft sich ins Jenseits mit Wein und Vodka, Bobby Nr. 1 (insgesamt gibt es 3 tote Bobbys in dem Song) stirbt an Leukämie. Dafür braucht Jim gerade mal 15 Sekunden. Nun ist man wirklich gespannt, was danach folgt. Eine Moral beispielsweise? Vielleicht sogar ein Wendepunkt? Ist dass seine Art zu trauern? Aber nein, Jim lässt ob dieses heiklen Themas einen eklatanten Mangel an persönlicher Betroffenheit erahnen. Im Refrain bleibt dann nur noch Platz für ein stumpfes: „Those are the people who died! Died! They were all my friends, and they died!“

http://www.youtube.com/v/9bOjc70f4p8&hl=de&fs=1&

Leider ist „People Who Died“ in diesen Tagen programmatisch zu verstehen, denn Jim Carroll starb am 11. September 2009 an Herzversagen.

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