Rezension /// Patsy O’Hara – „Deathinteresse“

Patsy O’Hara war ein Widerstandskämpfer aus Nordirland und Mitglied der INLA. Nach einem Hungerstreik verstarb er im Jahr 1981. Erstes Kapitel zu Ende.

„One day I will rise again, will be fine again, will things make right, again“, so rotzte es einem Patsy O’Hara im Frühjahr 2008 ins Gesicht. Im Ohr blieb damals nicht nur die Spucke kleben. Nach zahlreichen Shows und einer Tour durch Europa folgt nun die erste LP von dem Widerstandsfünfer aus Bielefeld. Wie bereits bei der EP „Pariahs“ begab man sich in die Hände von Robin Völkert (The Now-Denial / Dean Dirg) und nahm 9 Tracks auf, um sie als „Deathinteresse“ auf den Rest der Welt loszulassen. Ein Spagat zwischen Härte und Melodie, der sich mit gekonnten Tempowechseln vor allem zu einem großen Hörgenuss vermischt.

„Feel the anguish in your chest“ – es ballert und knarzt an jeder Ecke und bringt tsunamihaft die Perilymphe zum Schwingen. Es klingt ausgereifter und zielstrebiger, als noch die EP vom letzten Jahr. Hardcore ohne GTI oder Punk fern von MTV, je nach Sichtweise. Eher ein wenig crustig, um hier mal aktuelle Sparten zu bedienen. Ein schneller Wagen, ohne Rost mit ein wenig Politur und Beulen an den richtigen Stellen.

Mit Per Koro und Phobiact hat man zwei sehr feine Labels gefunden, um dieses Monster in die Plattenschränke der Welt zu katapultieren. Denn da gehört diese schick verpackte LP nun mal hin. Basta. Zusammen mit gestreckter Faust und positiver Einstellung: „Fuck it and fuck what you stand for!“. Weil nicht alles duftet und nicht alles glitzert. Weil zu viele nur die angesagtesten Shirts und Scheitel wollen. Aber bitte nur Hochglanz, damit es später nicht ganz so peinlich wirkt. Simuliertes Rebellentum. Patsy O’Hara will das nicht, zumindest nicht musikalisch. „Possibly there is something now that was never truly gone“ – Natürlich ist hier ein altbekanntes Rad, dass sich dreht. Aber frisch klingt es nun mal, ohne Zweifel. Mit den nötigen Ecken und Kanten, um nicht im Einheits-Glamour zu versumpfen.

Hoffentlich bleibt der neue Patsy O’Hara lange erhalten. Wobei er eigentlich muss, denn diesmal heißt es: „Hey fucks, remember me?“. Das Ganze bleibt spannend. (Inkl. Download-Code)

Patsy O’Hara
„Deathinteresse“
Per Koro // Phobiact
Patsy O’Hara zuhause

Gastbeitrag von Daniel Kottkamp

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