01. Mai, Berlin-Kreuzberg /// Menschen, Müll, Emotionen

Menschen, Müll, Emotionen.

Das ist Berlin-Kreuzberg am 01. Mai. So scheint es zumindest in der Nachberichterstattung. Auf der einen Seite brennende Müllcontainer, aufgerissene Straßenzüge, Kotti, Antifa, schwarze Kapuzen und grüne Helme. Auf der anderen Seite das MyFest, ein ordentlicher Marketingplan mit 17-400 Bühnen, sich abwechselnden Bratwurst- und Falafel-Buden. Wie surreal. Aber das Konzept funktioniert. Abends treffen sich die Katastrophentouristen dann am „Lagerfeuer“ und schauen den Autonomen beim Rennen zu.
Ich war auch zugegen. Hab Bier getrunken, Bratwürstchen in mich hinein gestopft… und Müll fotografiert. Keine Fotos von brennenden Containern oder der Abschlusskundgebung am Kottbusser Tor. Keine Fotos von Hundertschaften, keine Gewalt. Sicherlich wäre es ein Leichtes eine Position zu beziehen und sich auf die Seite der Autonomen zu stellen, aber dazu war ein gewisses Konsumverhalten einfach Teil des Programms. Bei mir und vielen anderen auch. Ich glaube fast sogar, dass der Gedanke des 01. Mais in den letzten paar Jahren komplett entpolitisiert wurde und das Konsumverhalten als Ersatz-Ideologie herhalten muss. Freimachen kann man sich davon reichlich selten.
„Oranienstraße #1“
(zum Vergrößern auf das Foto klicken)

Die Oranienstraße war vollgestopft mit feierwütigen Menschen; eine Bühne reihte sich an die andere. Jede buhlte um die Gunst der Zuhörer. An der Ecke Adalbertstraße, nicht mal 500 Meter vom So36 entfernt, geriet die Masse zu späterer Zeit wieder in Bewegung. Wo die einen feiern, gehen die anderen stiften. Alles kann zu Wurfgeschossen umfunktioniert werden. Die Flaschen kauft man eben in der Späte. Wie viel ein paar Meter eigentlich ausmachen können. Auf der einen Seite Partymeile mit Rummelplatzcharakter, auf der anderen Seite die Straßenschlacht zwischen Polizei und Autonomen. Der revolutionäre Kampf hat sich selbst entzaubert.

„Oranienstraße #2“
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One thought on “01. Mai, Berlin-Kreuzberg /// Menschen, Müll, Emotionen

  1. Irgendwie klingt das kaputt, in einem schmerzlichen Sinne ausgehöhlt. Sinnlose Gewalt, Menschen mit Emotionen aus Müll und Grenzen die entlang von Würstchenbuden verlaufen… Aber: Es ist ein großes Fest, in einem weiteren Sinne.

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