Plattenkritik /// Luise Pop “Time Is A Habit”


Luise Pop ist der jüngste Neuzugang beim ambitionierten Wiener Label Siluh Records. Time Is A Habit erinnert in seinen besten Momenten an Patti Smith und The Jam in ihrer Spätphase.

Quadratisch, praktisch, gut – das Covermotiv wird nicht selten zum entscheidenden Kriterium für die Entscheidung zum Kauf eines Tonträgers. So auch bei Luise Pop. Für ihren aktuellen Longplayer hat Artwork-Designer Dominik Hruza ein Pferd in einen Garten gehievt, ein Mädchen in altbackenen Klamotten draufgesetzt und das fertige Motiv durch Photoshop-Farbfilter gejagt. Vielleicht hat Hruza das Bildchen auch einfach nur auf einem Flohmarkt gefunden und in der Post-Production ein wenig aufgehübscht. Man weiß es nicht. Ist auch egal. Das Ergebnis ist entscheidend und das ist – nun ja – so gewöhnungsbedürftig wie genial. Da ist Retro-Chic. Trash. Ein Hauch von Inszenierung. Und allerlei offene Fragen. Man muss es nicht unbedingt gut finden, aber es fällt auf. Und das war ja auch Sinn der Sache. Es nimmt dich gefangen und haut dir hinterrücks eine rein. Bei Luise Pop gehts nicht um Wendy-Romantik, nein, hier dreht sich alles um Inszenierung und – wenn man sich mit der Bandhistorie beschäftigt auch um – die Vermessung der eigenen Welt im (inter-)nationalen Popdiskurs.

Luise Pop gibt’s seit 2004 in wechselnden Konstellationen. Zum festen Kern gehören Vera Kropf (Gitarre, Stimme), Lisa Berger (Tasten, Stimme), Marin Lehr (Schlagzeug) und Erin Stewart (Bass). Zwischenzeitlich paktierte die Band mit Jens Friebe und Andreas Spechtl (Ja, Panik), alles bekannte Diskurs-Popper, die man in erster Linie von anderen Projekten kennt. Man grüßt sich immer noch. Wie auch Friebe und Spechtl setzen sich Luise Pop mit feministischer Theorie, experimentierfreudigem Situationismus und anschmiegsamer Nettigkeit auseinander. Musik will verpackt und diskursiv sein. Und genau das schaffen Luise Pop mit Bravour.

Mit den zwölf Songs auf dem Album beweisen Luise Pop, dass man mit dem richtigen Gespür für Songwriting und Attitüde ein ganzes Album voll stilsicherer Hymnen füllen kann. In den besten Momenten erinnert Time Is A Habit an an Patti Smith und The Jam in ihrer Spätphase. Bisweilen blitzen kurze Punk-Momente à la Riot Grrrl durch. Da hört man, welche Musiksozialisation die vier genossen haben. Eine ziemlich gute. Eine wahrlich ausgereifte Pop-Platte ohne prätentiöse Schnörkeleien, dafür mit einem guten Gespür für Dynamik und Songwriting.

Luise Pop – “Black Cat”


Luise Pop
Time Is A Habit
Siluh Records
Zur Homepage von Luise Pop gehts hier entlang

Erstveröffentlichung des Artikels auf unicum.de

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