Flimmerkiste /// “Captain America – The First Avenger”


America, FUCK YEAH! Coming again, to save the mother fucking day yeah.” Wo die South Park-Macher noch ein ganzes Team America brauchten, rettet Steve Rogers, aka Captain America, die ganze Welt im Alleingang vor fiesen Nazi-Schergen.

von Martin Przegendza

Comic-Verfilmungen sind en vogue und spielen Milliarden an den Kinokassen ein. Doch während der Comic-Verlag DC in erster Linie mit den Batman-Filmen (Batman Begins, The Dark Knight) groß Kasse macht, scheffelt Konkurrent Marvel scheinbar mit dem ganzen Superheldenkatalog Kohle: Spider-Man, Blade, X-Men. Die Liste ließe sich noch fortführen. Mehr als ein Dutzend Helden retten die Welt bereits vor dem Untergang. Mit Ausnahme der X-Men, immer im Alleingang. Das soll sich im Sommer 2012 ändern, wenn The Avengers die Leinwand stürmen. Die Superhelden-Combo wurde 2008 mit dem Erfolg von Iron Man aus der Hollywood-Taufe gehoben. Teil zwei folgte zwei Jahre später. Im Jahr darauf wurde ein weiterer Charakter der Avengers auf sehr launige Art dem Kinopublikum vorgeführt: Thor. Im Spätsommer 2011 war dann schließlich Captain America – The First Avenger an der Reihe.
Captain America gegen die Nazis

Die Einführung des umstrittensten Marvel-Helden beginnt mit einer Zeitreise. Wir schreiben das Jahr 1942. Ein Jahr nach Pearl Harbor sind auch die USA in den Zweiten Weltkrieg verwickelt. Im Krieg gegen die Achsenmächte wird jeder Mann auf Seiten des Sternenbanners gebraucht – bis auf Steve Rogers (Chris Evans). Der schmächtige junge Mann mit dem Löwenherz will für sein Land um jeden Preis den Dienst an der Waffe leisten. Ganze fünf Mal wird er jedoch von den Ärzten ausgemustert: Zu klein, zu schmächtig, zu schwach. Erst der aus Deutschland geflohene jüdische Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tucci) erkennt Rogers’ Potential. Gegen den Willen des hochrangigen Militärs Colonel Chester Phillips (Tommy Lee Jones) und zur Verwunderung des Großindustriellen Howard Stark (Iron Mans Vater, gespielt von Dominic Cooper), verschafft er Rogers einen Platz im streng geheimen „Rebirth“ Programm. Aus dem schmächtigen Möchtegernsoldaten wird in einer schmerzhaften Prozedur der kraftstrotzende Superheld Captain America.

Die neu gewonnenen Superkräfte sind im Kampf gegen die Nazis auch bitter notwendig. Wobei es weniger gegen Adolf Hitler und die Wehrmacht, sondern gegen den von okkulten Mächten besessenen Johann Schmidt (Hugo Weaving). Er ist der Kopf der geheimen paranormalen SS-Division Hydra, dem in Odins Schatzkammer ein mysteriöser, energiegeladener Würfel in die Hände fällt (für Nerds: der Cosmic Cube). Mit seiner Hilfe will Schmidt die Welt unterjochen.
Das letzte Puzzlestück der Avengers

Captain America Trailer

Captain America – The First Avenger ist ein prototypischer Superheldenfilm in wunderschöner Retro-Verpackung. Ohne große Überraschungen und ohne die ganz großen Action-Momente, bildet der zweistündige Filme das letzte Puzzlestück im Bild der Avengers. Es wird geklärt, wie Captain America ohne zu altern aus dem Jahr 1942 in die Neuzeit gelangen konnte, um mit Iron Man, Thor und dem Hulk die Avengers zu bilden. Dann wird die Figur des Weltpolizisten auch hoffentlich  seiner Eindimensionalität erwachsen und den vielschichtigen Charakter zeigen, den ihm Comic-Größen wie Alan Moore (Watchmen) und Frank Miller (Sin City, 300, Batman: Year One) verpasst haben. Sie zeigen den Captain als gebrochene Figur, die ihren Glauben an den Staat und die Politiker des Landes, das er im Namen trägt, verloren hat. Als staatenloser Rächer kämpft er für das Gute und den amerikanischen Traum.

Als “First Avenger” bleibt Captain America leider der propagandistische All-American-Hero, der die Welt vor einer Gefahr größer als die Nazis befreit. Vor Hydra und ihrem Vorsteher Johann Schmidt haben selbst die historischen braunen Verbrecher Angst. Zu Recht, wie sich im Verlauf des Films zeigt. Während Captain America unter seiner Sternenbanner-Maske nämlich ein recht hübsches Antlitz verbirgt, steckt unter dem Gesicht von Schmidt eine blutrote Fratze – der Superschurke Red Skull. Es gilt, ihn und seine Zombie-Nazi-Armee aufzuhalten und nebenbei die Hauptstädte der Welt vor der totalen Zerstörung zu retten.

Raum für große Charakterentwicklung oder Nachfragen bleibt dem Captain nicht. So verdrischt er einen namen- und gesichtslosen Nazi nach dem anderen, um sich am Ende ein Duell mit Red Skull zu liefern. Das Ganze ist durchaus sehenswert inszeniert und von Jurassic Park 3 Regisseur Joe Johnston auch gut eingefangen. Einziges Manko: Es fehlt an Tiefe. Batman, Spider-Man und auch der großkotzige Iron Man haben gezeigt, dass Superhelden immer dann am besten sind, wenn sie von ihrer schwachen Seite betrachtet werden: Batman als gebrochener, traumatisierter Millionär, Spider-Man, der die Schuld am Tod von Onkel Ben mit sich trägt und Exzentriker Iron Man, der durch seinen Lebenswandel vor existenziellen Sorgen steht. All das wird in Captain America – The First Avenger nicht geboten. Stattdessen rauscht der Supersoldat unter den Superhelden durch den Zweiten Weltkrieg, um zu zeigen, warum die USA die einzig wahre Supermacht sind.

Das alles liest sich jetzt negativer als es gemeint ist. Angesichts des Allstar-Comic-Heldenfilms The Avengers im Sommer 2012 war es abzusehen, dass Captain America nicht viel mehr als ein opulent inszeniertes Vorspiel sein wird. Dabei macht er seine Sache auch gut. Die Figur des Sternenbanner-Trägers bietet jedoch viel mehr, als in diesem Film gezeigt wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Autoren die Zerrissenheit und die inneren Zweifel des wohl aufrichtigsten Superhelden im Avengers-Film zeigen. Bis dahin bleibt Captain America – The First Avenger ein gelungener Superhelden-Blockbuster für Comic-Fans und alle, denen der Geschichtsunterricht zu langweilig war.

Fotos: Paramount Pictures

Captain America – The First Avenger
Action, USA 2011
Regie: Joe Johnston
Darsteller u.a.: Chris Evans, Tommy Lee Jones, Hugo Weaving
Verleih: Paramount Pictures
VÖ: 19. Dezember 2011

Erstveröffentlichung auf unicum.de

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